Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503776
hristus, 
den 
Untergal 
lg Jerusalems 
weissagend. 
407 
Kreisen  bewegt, doch einem frischen volksthürnliclten Leben seinen 
Ursprung verdankt. Nur wo ein kräftiges Gemeingefühl im Volke waltet, 
wo dasselbe eine nationale Existenz hat, da gewinnen auch die künstle- 
rischen Darstellungen jene sieghafte Existenz, der wir unsern Sinn nicht 
verschliessen können. Und weil seit der jüngsten Zeit auch in Deutsch- 
land das Gemeingefühl des Volkes, das nationale Bewusstsein in aller 
Freudigkeit erwacht ist, so mussten jene beiden Bilder, in denen man die 
verwandte Stimmung erkannte, auch bei uns mit so entschiedenen: Beifall 
aufgenommen werden, vielleicht mit grösserem als in ihrem eignen Vater- 
lande, eben weil sie uns etwas brachten, das uns mehr oder weniger- 
noch fehlte. 
Aber sollen unsre Künstler sich nun Hals über Kopf in die Nachahmung 
von Gallait und de Biefve Stürzen? Lieber Freund, ich würde es für eine 
Lästerung des deutschen Volkscharakters halten, wenn man glauben wollte, 
dass dies nur möglich sei. Einzelne, haltlos an sich, darum aber auch 
nicht geeignet, als Repräsentanten unsres Volkseharakters zu gelten, mögen 
immerhin in solcher Nachahmung untergehen; unsre Kunst steht zu fest, 
als dass sie aus der Bahn, die sie verfolgen muss, gerückt werden könnte. 
Aber weiter muss sie diese Bahn verfolgen, zu neuen Entwickelungsmo- 
menten muss sie voranschreiten: Stillstand, ich wiederhole es, ist Tod. 
Darum wollen wir die Mahnung zum Fortschritte, die uns die Bilder von 
Gallait und de Biefve bringen, dankbar und freudig hinnehmen; wir wer- 
den auf unsrer Bahn den Punkt finden, wo ihre Richtung mit der unsern 
sich kreuzen muss. Davon aber bin ich im Innersten meiner Seele über- 
zeugt: halten wir fest an dem, was unsre Kunst bisher erworben hat, und 
gewinnen wir dazu noch die ganze volksthümliehe Kraft, welche unsre Zeit 
erfordert, so werden wir zu einer Blüthe der Kunst gelangen, die alle 
Bestrebungen unsrer Zeitgenossen hinter sich lässt. 
Christus, den Untergang Jerusalems weissagend. Das Original- 
gemälde, 7 Fuss 3 Zoll hoch, 8 Fuss 8 Zoll breit, befindet sich im Besitz 
Sr. Majestät des Königs von Prenssen. Gemalt von Begas, lith. von W. 
Schertle. Verlag und Eigenthum der C. G. Lüderitischexx Kunsuzerlugs- 
handlung zu Berlin. 
(Kunstblatt 
1843, 
Unter den Lithographieen, die neuerlich in Berlin erschienen sind, ist 
die vorstehend genannte als eine Arbeit von vorzüglicher Bedeutung her- 
vorzuheben. Zunächst des Gegenstandes wegen. Das Gemälde, welches 
sie darstellt, können wir mit Zuversicht zu den vorzüglichst charakteristi- 
schen Werken der neueren Zeit rechnen. Es ist, wie die Mehrzahl der 
Werke der norddeutschen Kunst, ein Situationsbild. d. h. ein solches. in 
welchem die Gestalten nicht sowohl durch dramatische Handlung als durch 
gemüthiiche Stimmung verknüpft werden; aber es rechtfertigt seine Gat- 
tung durch das tief bedeutungsvolle Moment, welches diese Stimmung
        

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