Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503492
NV nlhallal 
artistischer und 
technischer 
Beziehung. 
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Bestimmung hatte, so scheint die Wahl sich zur Genüge zu rechtfertigen. 
Wenn wir uns, deren Gedankeuriehtung von der des griechischen Alter- 
thuxns freilich sehr verschieden ist, auch nur auf eine halb-künstliche 
Weise und durch lange Gewöhnung in den griechischen Säulen- und 
Architravbau hineingebildet haben, so könnte doch nur ein Thor die hohe 
'Reinheit, Schönheit und Würde dieser griechischen Bauweise läugnen. 
So erscheint das Aeussere des Baues als ein mächtiger Peripteros, und 
zwar in dorischen Formen. Erfreulich ist es, dass auch die Obertheile 
des Baues den gesetzlich reicheren Schmuck haben, den die harmßniäßhß 
Vollendung des griechischen Styles fordert, und der unsern modern-antiken 
Gebäuden dennoch so häufig fehlt. Alle Antelixen über den krönenden 
Gesimsen sind vorhanden; die beiden Giebelfelder sind mit reichen Sta- 
tuengruppen ausgefüllt. Nur in den Metopen des Frieses haben wir irgend 
einen Schmuck von bewegter Form vermisst; ihre leere Fläche allein 
schliesst sich jenen mannigfaltigen Zierdeu nicht völlig harmonisch an. 
Soweit die Details des Aeusseren in den vorliegenden Rissen dargestellt 
sind, erkennen wir darin ein sorgfältiges Studium der griechischen Meister- 
werke aus dem Zeitalter des Perikles. Das ganze Aeussere muss dem- 
nach einen so würdigen wie anziehenden Eindruck hervorbringen. 
Auf sehr eigenthümliehe Weise wird dasselbe aber noch durch den 
kolossalen Unterbau gehoben, der an der Vorderseite des Gebäudes, nach 
dem Flusse hin, nöthig war, indem der Gipfel des Berges nicht die ge- 
nügende Fläche zur Ausführung des Baues darbot. So steigt, unterwärts, 
zunächst eine mächtige, breite Treppe empor; dann folgen zwei kolossale, 
aus polygonischen Blöcken gebaute Absätze, an deren Vorderseite die 
Treppe sich in zwei Arme theilt; dann drei kleinere Absätze, und über 
diesen erst die drei Stufen, welche durch die gewöhnlichen Gesetze des grie- 
chischen Tempelbaues bedingt waren. Das Gebäude bietet mithin, in der 
Ansicht von den vorderen Standpunkten, die erhabene und reich geglie- 
derte Bekrönung einer mächtigen, stufenförmig aufsteigenden Masse; auch 
scheinen die Verhältnisse durchaus so, dass dadurch in der Wirklichkeit 
ein überaus imposanter Eindruck hervorgebracht werden muss. Dennoch 
ist nicht zu läugnen, dass in dem Unterbau etwas Schweres und Kaltes 
liegt. lch suche dies indess keinesweges in seiner Anordnung überhaupt, 
noch, wie bemerkt, in seinen Verhältnissen; ich glaube nur, dass er für 
das Verhältniss zu den gegliederten Formen des Gebäudes, welches ihn 
bekrönt, zu wenig ausgebildet ist. Nicht, als ob ich auch für ihn eine 
gegliederte Architektur in Anspruch nehmen möchte! mir scheint, als ob 
es vornehmlich nur an einer charakteristischen Bezeichnung und Hervor- 
hebung seiner Ecken fehle, als ob gerade dadurch  etwa durch plastische 
Werke über angemessen hohen Postamenten  jener Grad von Belebung, 
von Entwickelung der Verhältnisse zu erreichen sein möchte, der wegen 
des harmonischen Gesammteindruckes noch nöthig ist. Ist meine Ansicht 
richtig, so dürm dieser Umstand dem Gründer des Baues Gelegenheit zu 
einer neuen Bethätigung seines Kunstsinnes geben. 
Bei Weitem schwieriger als das Aeussere des Gebäudes war die An- 
ordnung seines Innern. Hier galt es, einen weiten, übßrsißhilifih freien 
Raum mit voller und ungebrochener Beleuchtung zu schaden, einen Baum, 
der zur Aufstellung einer grossen Menge von Büsten und Inschriften aufs 
Vortheilhafteste geeignet sein, und bei dem 606i! natürlich alle Igalllheii, 
Leere und Monotonie vermieden werden musste, so schwer das Letztere
        

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