Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503394
BERICIYFIE 
UNI) 
KRITIKEN. 
1842 
1843. 
Lithographie. 
Berlin. 
(K n n stblatt 
1842. 
    Ich habe eines treftlichen künstlerischen Unternehmens von zu- 
nächst vaterländischem Interesse zu gedenken, das sich gegenwärtig hier 
vorbereitet. Dasselbe betriilt die Herausgabe von lithographirten Bildnis- 
gen der preussisehen Könige in ganzer Figur, nach Originalgemälden, 
welche sich in den königlichen Schlössern befinden. Der Baron Still- 
fried, der durch verschiedne vaterländisch-artistische Unternehmungen, 
namentlich durch seine Denkmäler des Hauses Hohenzollern, ehrenvoll 
bekannt ist, veranstaltet dies Unternehmen; der Lithograph V. Sehertle 
hat die Ausführung der Blätter übernommen. Ich hatte kürzlich Gelegen- 
heit, die fast vollendete Steinzeichnung zu dem Bilde Friedrichs 1., nach 
dem meisterhaften Gemälde von A. Pesne im weissen Saale des hiesi- 
gen königlichen Schlosses , zu sehen; sie verspricht eine höchst gediegene 
Erfüllung der Aufgabe. Sehertle hat sich seither längere Zeit in Russland 
aufgehalten; in seinen Mappen sah ich eine grosse Anzahl der von ihm 
ausgeführten, durchweg meisterhaften Lithographieen, so z. B. eine bedeu- 
tende Reihe lebenvoller Bildnisse, die er, in Petersburg und in Warschau, 
unmittelbar nach der Natur auf den Stein gezeichnet hatte. Vornehmlich 
jedoch waren mit zwei seiner in Petersburg gefertigten Lithographieen 
interessant: die eine nach Raphaels Madonna aus dem Hause Ahba, in 
der Gallerie der Eremitage, die, mit der grüssten Zartheit durchgeführt, 
den Raphaelischen Geist noch besser wiederzugeben scheint, als der be- 
kannte Stich von Desnoyers; die andre nach dem, durch Müllers StiCh 
und zahllose Copien desselben so allgemein verbreiteten Brustbilde des 
Evangelisten Johannes von Domenichino, dessen Original sich gegen- 
wärtig im Bcsitz der Kaiserin von Russland befindet. Müllers schöner 
Stich scheint das Original in etwas flacher Idealität aufgefasst zu. haben; 
in dieser Lithographie tritt alles Mark und die Kraft, überhaupt (116 ganze 
eigenthümliche Behandlungsweise des Domenichino aufs Ueberzeugendste 
hervor. Es wäre im höchsten Grade wünsehenswerth, diese treftliehen, 
gegenwärtig nur im russischen Kunsthandel befindlichen Blätter auch im 
deutschen Igunsrhandel verbreitet zu sehen. Vielleicht entschliesst sich der 
Künstler zu einer Wiederholung derselben, die sie auch für uns allgemei- 
ner zugänglich machen könnte.
        

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