Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503321
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Ueber Ferdinand 
Kabel] 
Radirungeu. 
und seine 
Verlangen trägt, sieh in die Stille und Abgeschiedenheit der Natur zu 
versenken. Wenn der Student mit seinem Pandektenheft ins Collegium 
geht, da schauen Berg und Bäume fröhlich in die Strasse nieder und rufen 
ihm ihren frischen Morgengruss zu; da ist es schon Manchem geschehen, 
dass er den Katheder des Professors vergass und wohlgemuth hinauseilte, 
sich ins Grüne zu lagern und den geheimnissvollen Lehren zu lauschen, 
welche der Geist der Natur für den verwandten Menschengeist bereit hat. 
Auch Ferdinand Kobell folgte dieser Stimme. Er war nicht müssig in 
Heidelberg; aber das Zeichenbuch ward ihm lieber als das Pandektenheft. 
Er liess es sich angelegen sein, die Bilder, die ihm drausscn entgegen- 
traten, mit Stift und Pinsel festzuhalten, das 1'astl0s stille Walten der 
Natur im engumgrenzten Raume, in künstlerischer Gemessenheit wieder- 
zugeben. Er hatte keinen Lehrmeister bei diesen Studien, aber die Natur 
war seine Lehrerin; mehr und mehr verstand er ihre Sprache und stets 
sichrer und deutlicher wurden die Entwürfe, in denen er diese Sprache 
auszudrücken suchte. Er war, neben seinen wissenschaftlichen Studien, 
schon ein ganz tüchtiger Laudschafter geworden.  
Doch waren alle diese Bemühungen vorerst ohne weitern Erfolg. Nach- 
dem er Heidelberg verlassen, musste er, wie bereits bemerkt, in die amt- 
liche Laufbahn eintreten. Jetzt blieben ihm nur wenig einzelne Stunden 
übrig, in denen er sich, ganz insgeheim, an seiner künstlerischen Thätig- 
keit vergnügen durfte. Dem Vater des jungen Hofkammer-Sekretairs 
konnte eine Leidenschaft wenig zusagen, welche alle Pläne, die er für das 
Wohl des Sohnes mit kluger Umsicht ins Werk gerichtet, zu zerstören 
drohte. Denn in der That, wenn überall die Wahl eines künstlerischen 
Berufes zweideutig und selbst gefahrvoll ist, so musste sie für die Verhält- 
nisse jener Zeit und jener Gegend ganz besonders ungünstig erscheinen. 
Die Pfalz fing erst an, sich allmählig von den unsäglichen Leiden zu er- 
holen, die über sie durch die Kriege, fast ein ganzcs Jahrhundert hin- 
durch, heraufgeführt waren. Die materiellen Interessen waren durchaus 
vorherrschend; es fehlte sowohl an Mitteln, sich künstlerisch einzurichten, 
als auch an Sinn für die Bedeutung der Kunst. Die Städte, das junge 
Mannheim nicht ausgenommen, waren arm, der Adel ohne höhere Bildung, 
der Glanz der Klöster, die einst der Kunst eine so reichliche Förderung 
gewährt hatten, war lange verschwunden; und was als das Schlimmste 
bezeichnet werden muss, die Kunst selbst war derjenigen Verderbniss und 
Entnervung verfallen, welche ihr die allgemeine Herrschaft des damaligen 
französischen Geschmackes bereitet hatte, so dass die wenigen Freunde 
des Schönen sich fast ausschliesslich nur den Werken der älteren Meister, 
die so hoch über denen der Gegenwart standen, zuwandten. Nur der Kur- 
fürst allein, Karl Theodor, der im Jahre 1742 zur Regierung gelangt 
war, bemühte sich, für die Pflege einer höheren geistigen Bildung in sei- 
nem Staate zu sorgen. Nur von ihm konnte dem künstlerischen Talente, 
welches unter den ungünstigen Zeitverhältnissen und unter dem wider 
Willen getragenen Drucke der Amtsgeschäfte zu verkümmern drohte, Hülfe 
kommen,  und sie kam. Es fand sich, im Jahre 1762, die Gelegenheit, 
ihm einige Arbeiten des Hofkammer-Sekrctairs vorzulegen. Er erkannte 
das darin ausgesprochene Talent, entbaud diesen seiner Amtsgeschäfte, 
und setzte ihn durch eine Pension, die er ihm grossmüthig aus seiner 
Privatkasse bewilligte, in den Stand, sich vollständig für den künstleri- 
schen Beruf auszubilden.
        

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