Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503276
Nachtrag, 
359 
Bau nicht ganz vollendet, obschon die jetzige Regierung nunmehr eine namhafte 
Summe zur Beendigung desselben bestimmt hat.  Das Mondenlicht bricht matt 
das Dunkel der Nacht. Wir glauben einen fernen heiligen Gesang zuhören. 
Ein Zug frommer Beter, welche in feierlicher Procession nach dem Innern des 
heiligen Tempels, an dessen Fenstern sich der Schein der festlichen Fackeln 
spiegelt, wellen, reisst uns unwillkürlich zur Andacht hin. Es ist der Tag des 
heiligen Carl, des Schützers dieses Doms. 
Von den Gemälden stiller, erhebender Andacht sehen wir uns plötzlich zu 
dem schreckenvollen aber majestätischen Schauspiele des verheerenden 
Ausbruchs 
des 
Vesuvs 
bei 
Neapel 
versetzt. Nicht der reinen warnenden Flamme des durch viele Bastionen ge- 
schützten Leuchtthurms bedarf es, dem nach Neapels Hafen steuernden Schiifer 
die sichre Strasse zu zeigen, die furchtbare Glut des feuerspeienden Vesuvs 
glänzt in dem glatten Spiegel des Meeres. Ueber dem glücklichen Resina und 
Portici steigen aus dem schwarzen Krater himmelan die glühenden Massen des 
zürnenden Vulkans, Schrecken verkündend den Bewohnern der fruchtbaren Ebe- 
nen und zeugen schwarze Wolken am hohen Himmel. Hier rechts, vor jenem 
Hügel, liegt das einst glückliche Herculanum, verschüttet durch den Staub des 
gpüißlldßll Vesuvs, und steht jetzt Torre de] greeo auf seinen Ruinen erhoben. 
hinter ihm das einst so heitere Pompeji, ebenfalls ein Raub der Flammen, nur 
in einzelnen dem Schoosse der Erde wieder entrissenen Resten der Nachwelt als 
schreckendes Denkmal erhalten. Eine neue Gefahr scheint jetzt wieder der nahen 
Gegend zu drohen, des Vulcans Wände sind zerrissen, eine unwiderstehlich alles 
vernichtende Lava giesst sich aus seinem unerschöptlichen Innern. Das Auge 
weilt mit Zagen bei dieser Scene, der Verkündigerixi der Macht Gottes. 
Freude mischt sich der Trauer, Fröhlichkeit dem bangen Schrecken. So 
auch hier. Die letzte der Vorstellungen zeigt uns die prachtvolle  
Erleuchtung 
der 
Kuppel 
der 
Peterskirche 
in 
Rom, 
an dem Tage des heiligen Paulus und Petrus. Zwar werden nicht mehr, wie 
ehedem, die ganze Facade der Kirche nebst den Colonaden des sie begrenzenden 
grossen Platzes, auf ein mit der Glocke gegebenes Zeichen, durch mehr als tau- 
send Hände mit brennenden Fackeln erleuchtet; man beschränkt sich, die Kup- 
pel durch transparente papierne Ballons zu erhellen; allein selbst diese lassen 
die über 200 Fuss hohe Kuppel in ihrem vollen Glanze erscheinen, welcher noch 
dadurch vermehrt wird, dass um Mitternacht durch alle Oeifnungen der Kuppel 
brennende Pechpfannen ausgesteckt werden, und sich in eine einzige grosse 
Flamme vereinigen zu wollen scheinen. Bei dieser prächtigen Erleuchtung sehen 
wir den im Vordergrunde liegenden grossen Springbrunnen, den 120 Fuss hohen 
aus einem einzigen Stücke Granit gearbeiteten ägyptischen Obelisk, ein Denk- 
mal der Macht des alten Roms; rechts und links Oolonaden des unermesslichen 
Petersplatzes, wovon uns nur ein Theil hier sichtbar wird, vor welchen grosse 
Springbrunnen unaufhörlich eine Wassertiuth in die Luft schleudern und ein 
beständiges Rauschen hören lassen. Rechts über den Golonaden der Vatican mit 
den vor ihm bedndlichen Arkaden, berühmt durch Raphaels Zauberpinsel. 
Das Ideal einer Feenwelt liegt vor uns  und kehren wir zur Wirklichkeit zu- 
rück, so danken wir dem Künstler, der dies Bild uns schuf. 
Die Bilder des zweiten Cyklus wurden zuerst durch Hrn. Steinmeyer 
(der noch im Besitz der Skizzen ist) im Königl. Stallgebäude öffentlich 
ausgestellt; auch sie gingen später an l-Irn. W. Gropius über. Die Gegen- 
stände dieser Bilder waren: 
1) Das Baptisterium und (ler schiefe 'l'hurm zu Pisa. 
"Z1 Das Theater zu 'i.'aormina.
        

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