Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503243
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Während des Druckes der vorstehenden Betrachtungen (1842) sind mir 
durch die gütige Vermittelung des Verlegers dieser Schrift, Herrn G. Gro- 
pius, mancherlei nähere Nachweise und Mittheilungen über jene merk- 
würdige und so wenig gekannte Frühperiode von SchinkeVs künstlerischer 
Thätigkeit, in welcher er, der Ungunst der öffentlichen Zustände trotzend, 
sich fast nur mit Arbeiten im Fache der Malerei und insbesondere mit 
den, auf eine brillant dekorative Wirkung berechneten, Dioramen-artigen 
Bildern beschäftigte, zugekommen. Ich glaube, den Freunden des grossen 
Meisters und seiner Werke einen Dienst zu erweisen, wenn ich diese 
Nachrichten, zur Vervollständigung der oben gegebenen biographischen 
Notizen hier noch anreihe. Zwar sind auch sie nicht geeignet, jene Pe- 
riode genügend zu erschöpfen; doch geben sie immerhin ein näheres Bild 
von der grossen Regsamkeit und Energie seines Talentes, und vornehmlich 
haben sie das Verdienst, unmittelbar aus der ersten Quelle geflossen zu 
sein. Sie gründen sich auf Schinkels freundschaftlichem Verhältnisse zu 
der Gropiusschen Familie; für Herrn Wilhelm Gropius, den Vater, malte 
er eine bedeutende Reihenfolge von Bildern für öffentliche Ausstellungen; 
der Theater-Inspeetor und Dekorationsmaler, I-lerr Carl Gropius, wurde 
von ihm in dieses Kunstfach eingeführt und leistete ihm bei den späteren 
Arbeiten der in Rede stehenden Art hülfreiche Hand. Der letztere ist 
noch gegenwärtig im Besitz einer grossen Menge Schinkelscher Zeichnun- 
gen und in Farben ausgeführter Skizzen. 
So ist zu erwähnen, dass Schinkel, noch vür Seiner ersten italienischen 
Reise, vielfach für die Eckartsteinische Faycnce-Fabrik beschäftigt war, 
indem er für dieselbe Zeichnungen zu allerhand Gefässen lieferte, auch 
Teller, Vasen u. dergl. eigenhändig mit Malereien versah. Er hatte hier 
ein festes Einkommen, welches sich auf 300 Thaler belief. 
Nach seiner Rückkehr aus Italien, und nachdem jene traurigen Zeit- 
verhältnisse eingetreten waren, malte Schinkel jährlich Bilder für die 
kleinen Weihnachtsausstellungen des Hrn. W. Gropius, die zu ihrer Zeit 
grossen Beifall beim Publikum fanden. Zunächst, im J. 1808, eine An- 
sieht des Hafens der Capstadt. 
In demselben Jahre hatte er das Panorama von Palermo,  wie bereits 
ervrähnt," in der kurzen Zeit von vier Monaten,  gemalt. Er war mit 
eisernem Fleisse vom Morgen bis zum Abend bei dieser Arbeit beschäf. 
tigt, ohne unterdessen eine andre Nahrung zu nehmen, als die er des 
Morgens zu sich gesteckt hatte, und ohne sich durch die unerträglichen"; 
Kopfschmerzen, die ihn schon damals öfters heimsnchten, abhalten zu 
lassen. Das Panorama war das zweite bedeutendere Oclbild, mit welchem 
er auftrat; als das erste wird eine Ansicht des Theaters von Taormina 
(im Besitz des Hrn. Bau-Inspector Berger) genannt. Anfangs hatte Schinkel 
das Panorama für eigene Rechnung ausgestellt; dann ging es durch Kauf 
an Hrn. W. Gropius, später in andre Hände über. Die merkwürdige Zeich- 
nung zu demselben, die auf höchst meisterhafte und grossartige Weise mit 
dem Tuschpinsel entworfen ist und die, bei 3 Fuss Höhe, eine Länge von 
30 Fuss hat, findet sich im Besitz des Hrn. lnspector G. Gropius. 
Im Jahre 1809 malte Schinkel zwei Cyklcn von je sechs "perspek- 
tivisch-optischen Gemälden." Den ersten Cyklus stellte er im Anfange
        

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