Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500002
Berichte, 
Kritiken. 
Erörterungen). 
Ganzen. Ausserdem aber dünkt uns nicht weniger die grossartige sym- 
metrische Auffassung des erhabenen Gegenstandes zu loben, welche mit 
Verschmähung jener wohlfeileren Illusion  die durch scharf aus dem 
Vordergrund heraustretende Gegenstände bewirkt wird  die eigentliche" 
Wirkung auf die Hauptsache concentrirt und jene unbehagliche Störung 
fern hält, die dem Beschauer allzuleicht bereitet wird, wenn er, bei ver- 
ändertem Standpunkt, die unveränderte Stellung der verschiedenen Gegen- 
stände im Bilde bemerkt.  Nicht auf gleiche Weise gelungen schien uns 
das zweite Bild, die Ansicht der Teufelsbrücke. Wenn hier auch der Vor- 
und Mittelgrund, namentlich der scharf beleuchtete Felsvtreg und die alte 
und neue, noch im Bau begriffene Tenfelsbrücke, rührnlich zu erwähnen 
ist, so fehlt es doch vor den mächtigen Felswänden des Hintergrundes an 
Luft, die, wie durchsichtig sie auch in den Schweizergegenden sein möge, 
immer das wesentlich Trennende zwischen nahen und fernen Gegenständen 
bleibt. Ueberhaupt ist es uns sehr zweifelhaft, ob landschaftliche Gegen- 
stände auf gleiche Weise für die Darstellungen des Diorama geeignet sind 
wie architektonische. Die Erfahrung spricht bisher dagegen; doch werden 
wir uns freuen, unsre Zweifel durch die That widerlegt zu sehen. Schliess- 
lieh aber sind wir der Meinung, dass besonders die Darstellung solcher 
Gegenstände für das Diorama sich eignet, welche ausser dem malerischen 
noch ein, ich möchte sagen, tieferes, ein geschichtliches Interesse für uns 
haben, wie dies bereits bei der Ansicht der Peterskirche der Fall ist. 
Jene ägyptischen Riesentrümmer  wie die Wunder von Ibsambul oder 
Lnxor  jene Grottentempel von Ellora, jene heiligen Ueberreste des 
Parthenon, jene stolzen Hallen von Spalatro, jener mährchengleiche Lö- 
wenhof im Alhambra, jene ehrwürdigen gothisehen Kathedralen u. s. w.; 
u. s. W.  welch ein überreiches Feld eröffnen diese Monumente für in- 
teressante und imposante Darstellungen, für die verschiedenartigsten Effekte 
in Farben und Lichtern! Auf solche Weise würde sich vielleicht ein be- 
stimmterer Kreis, eine consequentere Auswahl für die Bilder des Diorama 
ins Werk richten lassen. 
Der Dom und die St. Severi Stiftskirche in Erfurt. Nach einem 
Gemälde von C. Hasenpflug (im Besitz Sr. Majestät des Königs von 
Prenssen), mit der Feder auf Stein gezeichnet von A. Klau! Lithogr. 
Anstalt von F. W. Wenig zu Halberstadt. Gr. Roy. Fol. 
(Museum 
1833, 
Die Zeichnung mit der Feder auf Stein hat ihre besondern Eigen- 
thümlichkeiten und dürfte, in gewissen Fällen, andern Arten der Verviel- 
fältigung vorzuziehen sein. Sie verlangt eine scharfe, skizzenhafte Be- 
handlung, ähnlich dem Holzschnitt, wie dieser im Anfange des sechzehnten 
Jahrhunderts von den deutschen Meistern zu so hoher Vollkommenheit go- 
bracht wurde. Besonders wird sie für eine leichte und doch bestimmte 
und genaue Darstellung architektonischer Gegenstände günstig sein. Wir 
bedauern, dass diese Kunstart bisher so wenig geübt werden: Einige, auf
        

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