Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503234
inwirlulng 
auf das 
Hax 
dwerk. 
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vollsten Werke ist der Entwurf zur Decoration eines springenden Brur1- 
nens, der auf dem I-lofe des Gewerbeinstituts zu Berlin ausgeführt ist.  
Ein anderes, seit einiger Zeit begonnenes Prachtwcrk (von dem Architekten 
Lohde herausgegeben) enthält die Darstellungen mannigfacher Mobilien, die 
von Schinkel für verschiedne fürstliche Paläste entworfen wurden. Auch 
hier sieht man die gediegensten Bilder eines edlen, durchaus geläuterten 
Styles. 
Schliesslich ist zu bemerken, dass der erläuternde Text, welcher die 
eben genannten „V0rbilder" etc. begleitet, in seiner Einleitung zwei von 
Schinkel geschriebene Aufsätze enthält: über die architektonischen Glieder 
und über die Säulenordnirngen. Zunächst nur dazu bestimmt, die Grund- 
sätze, auf denen ein Theil jenes Prachtwerkes beruht, auseinanderzusetzen, 
dienen diese Abhandlungen zugleich dazu, Schinkels eigne Grundsätze 
und die Gesichtspunkte. aus denen er die Architektur auiiasst, näher ken- 
nen zu lernen. Besonders die erste der beiden Abhandlungen scheint mir, 
obgleich sie nur aus wenigen Blättern besteht, von grosser Wichtigkeit, 
indem sie (wie mir wenigstens kein früheres Beispiel bekannt ist) die Be- 
deutung der einzelnen architektonischen Formen anschaulich und belehrend 
clarlegt und zugleich den lebendigen Sinn bezeichnet, mit welchem Schin- 
kcl in alles Einzelne seiner Kunst eingeht. 
Hiermit dürfte das Bild von Schinkells künstlerischer Wirksamkeit,  
soweit dieselbe seine eignen selbständigen Leistungen anbetrifft,  abzu- 
schliessen sein. Ich habe mich bemüht, soviel mir Kunde davon zugekom- 
men, den ausgedehnten Kreis seiner Thätigkeit und das Ziel, welches er 
innerhalb dieses Kreises mit beharrlicher Consequenz verfolgt hat, zu be- 
zeichnen. Dies Ziel ist, ich wiederhole es, die Schönheit in ihrer unmit- 
telbarsten Erscheinung, in (lerjenigen ldealität, welche die Griechen zuerst 
für die Gestaltung der Bedürfnisse ihrer Zeit gewonnen hatten, in dersel- 
ben Reinigung von allen den Zufälligkeiten der Existenz, welche mehr 
oder weniger als ein verhüllendes Gewand für die begeistigte Form be- 
trachtet werden müssen. Sein Streben ging stets dahin, auch die Bedürf- 
nisse des heutigen Tages, die höchsten wie die niederen, in dem Sinne 
eben dieser Schönheit zu gestalten, den Zwiespalt zwischen dem inneren 
Wesen der Dinge und den so mannigfachen äusserliehen Bediugnissen 
ihrer Erscheinung aufzulösen. Und gewiss ist sein Streben nicht fruchtlos 
gewesen. Hat er auch nicht Alles erreicht, was seinen Kräften und seinem 
Willen bestimmt gewesen zu sein scheint,  wann aber ward solche Gunst 
einem Menschen zu 'l'heil?  so hat er doch in einer Weise gewirkt, dass 
seine grosse Bedeutung für die Gegenwart unverkennbar dasteht und däSS 
wir noch nicht im Stande sind, die ganzen Folgen dieser seiner Wirksam- 
keit zu übersehen. Die Nachwelt wird ihn den thätigsten Begründern 
einer humaneren Cultur zuzältltln.
        

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