Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503198
Schinkefs 
landschaftliche 
Gemälde. 
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zwei Gemälde aufmerksam machen, die seine eigne Wohnung schmücken 
und die nach verschiedner Richtung hin, seine Auffassungsweise zu cha- 
rakterisiren vorzüglich geeignet sind. Das eine Bild stellt griechische 
Natur und griechisches Leben in ihrer Blüthe dar. Man sieht im Mittel- 
grunde desselben die Gebäude einer griechischen Stadt mit cmporragcnden 
Tempeln hingebreitet; zur Linken zieht sich die steile Höhe der Akropolis 
empor, auf deren Plateau, mehr im Vorgrunde, ein dorischer Porticus und 
vor diesem die kolossaleu Gruppen der Dioskuren hervortreten. Am Ab- 
hange dieses Berges bemerkt man verschiedne kleinere Heiligthümer; ein 
Wäldchen von Platanen und Kastanien führt zur Stadt hinab; vor der 
letzteren ist ein öffentlicher Vcrsammlungsort, in welchem gymnastische 
Spiele ausgeführt werden. Das Ganze ist in heitrem südlichem Lichte 
gehalten; die Ferne, deren Berg- und Uferformen in den schönen Linien 
der südlichen Natur gezeichnet sind, erscheint in klarem, bläulichem Dufte. 
 Das andre Bild entwickelt die Pracht des nordischen Mittelalters. Auf 
einer Anhöhe, deren Fuss mit Eichen bewachsen ist, erblickt man das 
reiche Gebäude eines gothischen Domes; der eine seiner Thürme erhebt 
sich in den freien, kühnen Formen dieser Architektur in die Lüfte; über 
dem andern, der noch nicht ganz vollendet ist, wallt eine grosse Fahne. 
Zur Seite des Domes steht das Gebäude einer kaiserlichen Pfalz, dem 
eine festlich geordnete Schaar von Knappen, Rittern und Herren, in der 
Mitte der Kaiser unter dem Baldachin, entgegenzieht. Weiter zurück und 
mehr in der Tiefe breitet sich, von einem Flusse durchschnitten, eine 
mittelalterliche Stadt mit mannigfachen Gebäuden hin; die Ferne wird 
durch Bergzüge abgeschlossen. Der Himmel ist mit dunkeln Regenwolken 
erfüllt, vor denen der hell beleuchtete rothe Sandstein des Domes einen 
wirkungsreichen Contrast bildet; das Ganze ist in den ernsten Tfönen ge- 
halten, welche der nordischen Natur die längere Zeit des Jahres hindurch 
eigen sind. 
In ähnlicher Weise hat Schinkel noch in manchen andern Bildern 
theils das griechische Leben. theils das nordische Mittelalter charakteri- 
sirt. Unter den ersten ist namentlich ein Gemälde berühmt, welches eben- 
falls die Ansicht einer griechischen Stadt in der schönsten Blüthe Griechen- 
lands darstellt und welches für die Prinzessin Friedrich der Niederlande 
(wenn ich nicht irre, im J. 1825) gemalt wurde; hier tritt indess mehr als 
in seinen andern landschaftlichen Gemälden das Element der Historien- 
malerei hervor, indem im Vorgrunde ein Tempelbau und zahlreiche 
Gestalten griechischer Jünglinge, die an der Ausführung des Baues arbei- 
ten, dargestellt sind. In seinen bildlichen Darstellungen gothischer Pracht- 
gebäude folgt Schinkel ganz der reichen Entwickelung dieses Styles, "welche 
vornehmlich in Frankreich und Deutschland, in den Zeiten des dreizehn- 
ten und vierzehnten Jahrhunderts statt gefunden hatte, ohne dieselbe dlllfll 
seine eigne Ansicht über die Gültigkeit derselben zu beschränken.  In 
l) Ebenso ist Sehinkel bei der Restauration der bedeutendsten mittel- 
alterlichen Bauwerke des preuss. Staates, die in den letzten Decennien 
statt fand und deren obere Leitung seinen Händen anvertraut war,  bei der 
Restauration der Dome von C-öln, Magdeburg, Brandenburg, des Schlosses Ma- 
rienburg u. s. w. überall auf das, der Anlage dieser Gebäude zu Grunde gelegte 
System mit Sorgfalt eingegangen und hat eben nur dieses System in seiner In- 
tegrität herzustellen gestrebt.
        

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