Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503170
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historische 
Malerei. 
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Lichte empor, von seligen Wesen empfangen.  ln diesen Bildern ist es 
indess, wie reiche Composition sich darin auch entfalte, mehr nur die Cultur 
an sich, welche dargestellt wird; das Leben erscheint hier im Allgemei- 
nen in einer hohen, ungetrübten Heiterkeit. Die Frucht, Welche die Cul- 
tnr auch für das Leben in seinen beschränkten, in seinen widerwärtigen 
Verhältnissen bringt,  die moralische Bedeutung der Cultur  stellt sich 
in den beiden, nur zur Vollendung gekommenen Bildern des zweiten Cyklus 
dar. Diese zeigen den Menschen im Kampfe mit dem von anssen herein- 
brechenden Unglücke und die innere Kraft, mit der er es wagt, der Üßbü" 
macht entgegen zu treten. Das erste Gemälde ist die Darstellung einer 
Ueberschwcmmung und der aufopfernden Liebe, welche Rettung versucht 
und möglich macht. Das zweite stellt den Einbruch barbarischer Horden 
in friedliche Wohnungen dar, Gewandtheit und Kühnheit im Gegensatz 
gegen rohe Gewalt. Die beiden noch nicht entworfenen Bilder dieses 
zweiten (Zyklus sollten, soviel ich weiss, die Ueherlieferung der durch das 
Leben und im Culturverbande gewonnenen Resultate, in der Wissenschaft 
auf der einen, in der Kunst auf der andern Seite, enthalten. 
Ich konnte den Inhalt der Bilder nur in flüchtigen, ungenügenden 
Zügen andeuten; die lebcnvolle Entwickelung dieser Ideen, das heitere 
Spiel dieser fast tinzählbarcn Gestalten, die hohe Schönheit, die überall 
in ihnen waltet, kann nur im Anschauen der Gemälde selbst empfunden 
werden. Es ist wiederum der Geist der classisehen Kunst, aus dem sie 
gebildet sind, aber dieser Geist nur, sofern er die Natur selbst in ihrer 
edelsten Würde erfasst oder sie darauf zurüekführt; es ist eine classische 
Coinpositionsweise, die in ihrer Behandlung hervortritt, aber auch diese 
nur, sofern hierin "diejenige freie Symbolik der Kunst zu Grunde liegt, 
welche die Darstellung der Idee mit den einfachsten Mitteln erreicht; es 
entwickelt sich in diesen Bildern, von den classischen Elementen aus. 
wiederum eine Weise der Anschauung welche den inneren Bedürfnissen 
der modernen Zeit entspricht, aber die letzteren eben durch jene Elemente 
zu einer neuen Läuterung emporführt.  Aber freilich ist mit Zuversicht 
hinzuzufügen, dass der Eindruck und die Wirkung dieser Compositioneu 
sich noch um ein Bedeutendes steigern werde, wenn sie in dem nothwen- 
digen grösseren Maassstabe und in derjenigen architektonischen Umgebung, 
auf welche sie berechnet sind, zur Ausführung gekommen sein werden. 
Wir hatten sie lange in den llallen des Museums schmerzlich vermisst; so 
schön das Gebäude ist, so machte es dennoch, mit seinen leeren, kalten 
Wänden, fast den Eindruck einer Ruine. Jetzt werden die sehnlichsten 
Wünsche aller Kunstfreunde Berlins in Erfüllung gehen, wird das theucrste 
Verniächtniss, welches Schinkel uns hinterlassen, dem Leben des Tages 
frei dargeboten werden. Se. Majestät der jetzt regierende König hat die 
Ausführung der Gemälde, al Fresco, befohlen; Oornelius hat die Leitung, 
C. H. Hermann, einer der tüchtigsten Freskomztler, und andere Künstler 
haben die Ausführung übernommen, und schon sind die Vorbereitungen 
dazu begonnen.    
Schinkels architektonische und bildnerische Leistungen, wie Sleullll 
Vorigen besprochen sind, stehen, wie bemerkt, in gegenseitigem _Verha1t- 
nisse zu einander; die Gesammtanschauung beider Richtungen giebt erst 
ein zureichcndes Bild seines künstlerischen Charakters. Doch iSt mit ihnen 
seine Thätigkeit im Fache der Kunst keineswegs abgeschlossen? 110071 in
        

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