Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499991
Jerusalem. 
mristi Einzug in 
Diorama. 
innerstes Anschauen aufnehmend! So oft ich das Bild betrachtete, stets 
entdeckte ich neue tiefsinnige Züge. 
Was die Arbeit des Lithographen betrifft, so ist zunächst die grosse 
Liebe und Sorgfalt zu rühmen, welche sich unverkennbar in der Behand- 
lung und Ausführung jedes einzelnen Theiles, vor Allem der Köpfe, kund 
giebt; überall leuchtet der Geist des hohen Originales durch. Die Technik 
sodann ist bestimmt, sauber und harmonisch. Leider stehen wir in Nord- 
deutschland, was Aetzen und Druck der Lithographieen betrifft, immer 
noch hinter München und Paris zurück. Doch wollen wir uns bei unwe- 
sentlichen Theilen des Bildes nicht aufhalten, wo alles Wesentliche so 
wohl gerathen ist, wo überhaupt so höchst Würdiges und Dankenswerthes 
geliefert wird. 
Der Lithographie ist ein kleineres Blatt beigegeben, welches die hier 
in Umrissen mitgetheilten bedeutendsten Figuren des Bildes erklärt und 
unter den Zuschauern den Künstler selbst, seine Gattin, seinen Vater (den 
Dichter Overbeck, Bürgermeister zu Lübeck) und seine Mutter nennt. 
Diorama. 
Berlin. 
(Museum 
was, 
lm Diorama von Carl Gropius sind seit einiger Zeit zwci neue Bilder 
aufgestellt: Eine Ansicht der 'l'eufelsbrücke auf dem St. Gott- 
hard in der Schweiz; und eine innere Ansicht der St. Peters- 
kirche in Rom, am Charfreitage bei der Kreuzes-Beleuchtung. 
Das letztere ist ein Bild von ausserordcntlich schönem und grossartigem 
EfTekt. Man sieht das weite Mittelschiff des prachtvollen Tempels auf- 
wärts, nach dem gewaltigen Hochaltare hin, der unter der Kuppel steht. 
Vor dem llochaltar, denselben zum Theil verdeckend, hängt das grosse 
metallene, 33 Fuss hohe Kreuz, an welchem die Lampen (314 an der Zahl) 
befindlich sind. Gleich jenem feurigen Zeichen, welches einst dem heid- 
nischen Kaiser Sieg verhiess, wenn er es zum Feldzeichen erwähle, schwebt 
es über dem Beschauer und strömt ein blendendes Licht über die um- 
gebenden .Gegenstände aus. Diese Gegenstände, unter und hinter der 
Kuppel, namentlich das Tabernakel des Altars mit seinen ehernen Riesen- 
säulen, schimmern nur in schwachen Umrissen durch den Lichtnebel, und 
die Kerzen, welche auf dem Altar brennen, und der Lampenkreis vor 
demselben, enthalten eben nur hinreichendes Licht, um sich selbst be- 
merklich zu machen. Die reichen Goldverzierungen, welche die Stukkatur 
an dem grossen Gewölbe des Schiffes bedecken, flimmern hin und wieder; 
scharf markiren sich die Vorsprünge der architektonischen Glieder, und 
lange Schlagschatten fallen in den Vorgrund. Von eigenthümlicher Wir- 
kung ist die gelbrothe Farbe dieses Lampenlichtes, dessen Reflex selbst 
den Schatten eine besondre Wärme mittheilt. Die Transparenz, auf welche 
der Effekt dieses Bildes basirt, ist mit grossem Geschick und Glück durch- 
geführt worden; die verschiedene Stärke des Lichtes an den einzelnen 
Architekturtheilen entspricht durchaus der perspektivischen Anordnung des
        

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