Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503132
kelß 
historische Malerei 
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erfunden, aber ebenso mit christlichem Gefühle gedacht. Auch findet in 
der That jene düstere Vorstellung dadurch keine Sanction, dass sieeben 
lange Zeit in Gebrauch gewesen; ihre Erfindung, ihre grösste Verbreitung 
gehört (ienjenigen Perioden an, da in der Kunst materielle Elemente vor- 
zugsweise überwiegend waren. Die hohe Kunst des christlichen Alter- 
thums (mangelhaft in der äussercn Form, höchst tiefsinnig und würdig in 
ihrem inneren Wesen) kennt durchaus keine Crucifixe; wenn man in jener 
Zeit den Erlöser darstellen wollte, so geschah dies am liebsten unter dem 
zarten Bilde des guten Hirten; so ist z. B. die Darstellung eines Sarko- 
phages, an dem der gute Hirt als Jüngling zwischen zweien Schafen steht 
und das eine derselben liebkost, ebenso edel künstlerisch gedacht, wie aus! 
dem innigsten Gefühle hervorgegangen. Erst in der düstern Kunst der 
Byzantiner werden die Crucifixe häufig und mit Vorliebe, zugleich von 
vornherein in der abschreckendsten Gestalt, gebildet. Das grossartige vier- 
zehnte Jahrhundert, die erste Blüthezeit; der modernen Kunst, hat wieder- 
um im Ganzen nur wenig solcher Darstellungen, dagegen sie im fünfzehn- 
ten (der Zeit, in welcher man überall bestrebt war, die formale Seite der 
Kunst, oft mit grosser Einseitigkeit, durchzubilden) wiederum häufiger her- 
vor-treten. Auch auf dem Gipfel der modernen Kunstentwickelung, in den 
ersten Deeennieu des sechzehnten Jahrhunderts, finden sich, in Italien 
uenigstcns, diese Darstellungen sehr selten, und nur in der, nicht zu ihrer 
Vollendung gediehenen Kunst des Nordens kommen sie auch in dieser 
Zeit mehrfach vor. Am meisten aber beliebt und mit kaltblütigster Sorg- 
falt durchgearbeitet erscheinen die Crucilixe in der Zeit des siebzehnten 
Jahrhunderts, da aufs Neue, im Süden wie im Norden, derbsinnliche Auf- 
fassungsweise in der Kunst vorherrscht und sich dieser, wenigstens in vie- 
len Schulen, ein gewisses, ich möchte sagen; fanatisch-religiöses Element 
zugesellt, was damit eben im besten Einklange steht. Das aber ist, wie 
es mir scheint, wiederum eine der dankenswerthesten Einwirkungen der 
Antike auf die Kunst unsrer Zeit, dass sie, indem sie die Formen der 
letzteren läuterte und reinigte, diese Formen eben auch zur Aufnahme ge- 
läuterter und erhabener Ideen würdig machte. ohne dass man irgendwie 
mit Grund sagen kann, dass hiedurch zugleich die Einführung speciell 
pantheistischer Elemente bedingt werde. Oder ist es nöthig, dass ich hier, 
um noch ein anderes Beispiel als Schinkels Zeichnung anzuführen, etwa 
an 'l'horwaldsen's kolossale Ghristusstatue erinnere, die, im reinsten classi- 
schen Sinne gebildet, zugleich ihre Aufgabe löst, wie vielleicht kein Werk 
früherer Zeiten? 
Histor 
ische 
Malerei. 
Die bisher besprochenen Entwürfe SehinkeTs für Werke bildender 
Kunst sind solche, welche iin unmittelbaren Bezuge zur Architektur stehen, 
vornehmlich solche, welche durch die Formen der Architektur bedingt wer- 
den und sich diesen. als ein ivesentlich nothwendiges Glied des Ganzen, 
RDSCllllBSSCll. Aber Sehinkel hat auch selbständige Werke bildender Kunst 
geliefert, wenn sehen in_ ihnen, namentlich in denjenigen, wg-Ighg den, 
Fache der historischen Malerei aiigelitiren,_- wie es sich dureh 111195 Vor-
        

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