Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503043
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Sehinke]. 
Friedrich 
K arl 
sich von äusserer Vorschrift frei bewegen durfte.  lch sehe mich hier 
zu einer Bemerkung veranlasst. Schinkel steht mit der idealen Behand- 
lung historischer Monumente, wie in dem eben besprochenen Falle, einer 
Richtung der historischen Sculptur gegenüber, die heutiges Tages vielen 
Anklang findet, die gewiss ebenfalls ihre gute Berechtigung hat. und die 
gerade durch einen der nächsten Freunde SchinkePs vertreten wird. Ca- 
nova, Thorwaldsen haben ihre historischen Monumente fast durch- 
gängig, wie er, auf ideale Weise behandelt; Rauch in Berlin ist es, durch 
den eine Weise der Darstellung, die auch von der äusserlichen Umgebung 
der zu feiernden Männer (ich meine von dem Kostüme ihrer Zeit) alles 
Wichtige und Bezeichnende beibehält, zu ihrer schönsten Vollendung ent- 
wickelt ist. Diese Behandlnngsiveise zu rechtfertigen, darf ich eben nur 
an den bedeutsamen Eindruck, den Rauch's Meisterwerke gewähren, erin- 
nern; vornehmlich scheint mir das eine seiner Modelle zu dem Denkmale 
Friedrichs des Grossen, das den König zu Pferde in seiner eigenthümlichen 
Tracht (aber mit dem Königsmantel) und an dem Piedestale die Bilder 
der vorzüglichsten Männer, mit denen er seine Thaten vollbrachte, dar- 
stellt, die Würde eines höheren Styls aufs Geiliegenste mit einer mehr 
portraitmässigen Auffassung zu vereinigen. Welche von diesen beiden 
Richtungen für unsre Zeit die gültigere sei, hierüber traue ich mir kein 
Urtheil zu. 'Die geläuterte Idealität der einen, die unmittelbare Gegenwart 
des Lebens in der andern Richtung scheinen beide ein gutes Recht zu 
haben; die Zeit  falls überhaupt das Bedürfniss nach einer durchgreifen- 
den Einwirkung der Kunst vorhanden ist  wird hierüber entscheiden. 
Ich wollte nur auf die Opposition, wie sie da ist, hindeuten, um Schin_ 
kel's Richtung hiedureh anschaulicher zu machen, indem diese ebenso auch 
bei seinen anderweitigen Arbeiten im Fache der bildenden Kunst, auf die 
ich unten zurückomme, wiederkehrt. 
Die andern Entwürfe SchinkePs für ein Monument Friedrichs des 
Grossen, sechs an der Zahl, sind jünger als der ebengenannte und füllen 
das neunzehnte Heft seiner Sammlung. In ihnen macht sich, neben der 
bildlichen Darstellung des zu Feiernden, das architektonische Element 
mehr oder weniger geltend. Sie wurden gleichzeitig bearbeitet, als (im 
J. 1829) der Gegenstand aufs Neue zur Sprache gekommen war, und sollten 
vornehmlich dazu dienen, eine Reihe der gültigsten Hauptformen für das 
Monument. in seiner grossartigeren Bedeutung, zur Auswahl vorzulegen; 
zugleich war bei diesen verschiedenen Formen specielle Rücksicht auf 
diejenigen Plätze im Mittelpunkte Berlins, die sich für den Bau des Mo- 
numents eignen konnten, genommen worden. 
In der ebengenannten Zeit hatte der Gedanke, das Monument in der 
Form einer grossen Säule, wie die des Trajan zu Rom, auszuführen, 
Theilnahme gewonnen; um den Schaft der Säule sollte, ebenso wie dort, 
ein Band mit Reliefsculpturen, die Thaten des Königs vor-stellend, sich 
emporwinden; die Statue des Königs sollte dieselbe kröden. Diesem Ge- 
danken gemäss ist der erste der in Rede stehenden Entwürfe ausgearbeitet; 
doch hat Schinkel die Säule nicht (wie es in andern neueren Nachahmun- 
gen dieser Form der-Fall ist) isolirt hingestellt, sondern sie mit einem 
Portieus kleinerer Säulen umgeben, aus dem sie in die Lüfte emporsteigt. 
Dieselbe Einrichtung hatte an der trajanischen Säule stattgefunden, und 
sie scheint nothwendig, um den Eindruck einer wirksameren Masse zu 
gewinnen. Die Architektur dieses Porticus zeigt eine geschmackvolle
        

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