Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503030
SchinkeYs 
Denkmäler. 
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die Statue des Königs errichtet werden sollte. Schon hatte der eine dieser 
Entwürfe (unter denen sich auch der am Eingang angeführte von F. Gilly, 
Sehinke1's Lehrer, befand),  ein Rundtempel von zwölf ionischen Säulen, 
von Langh ans, dem Erbauer des Brandenburger Thores zu Berlin, am- 
worfen, die königliche Genehmigung erhalten, und es war für denselben 
der Platz am Ende der Linden (zwischen der Bibliothek und dem jetzigen 
Universitätsgebäude) bestimmt werden, als der plötzlich erfolgte Tod des 
Königs, wie es scheint, die Ursache ward, dass das eingeleitete Unterneh- 
men unterbrochen wurde. Doch fehlte es auch in den folgenden Jahren 
so wenig an wiederholt ausgesprochenen Wünschen, wie an Projecten 
mancher Art für das alle Preussen so lebhaft interessirende Unternehmen; 
die bedeutendsten Entwürfe, die nach den Zeiten der Unterdrückung und 
der Befreiungskricge vorgelegt wurden, sind die in Rede stehenden Schin- 
kefschen. Diesen reihen sich, als der jüngsten Gegenwart angehörig, noch 
drei Modelle von Rauch an , welche im Jahr 1836 geliefert wurden, und 
welche wiederum eine höchst eigenthümliche Lösung der Aufgabe vorleg- 
ten. Es ist bekannt, dass von des Hochseligen Königs Majestät die Aus- 
führung des einen dieser Rauchschen Modelle befohlen und dazu kurz 
vor Seinem Tode der Grundstein gelegt wurde. 
Der erste von Schinkel's Entwürfen findet sich in den früheren Thei- 
len seiner Sammlung (Heft V). An ihm gehört die Hauptsache der Sculp- 
tur an; die Architektur bildet nur das zum Tragen jener dienende Gerüst. 
Sehinkel hat den König in einer reichen Gruppe dargestellt: Ideal geklei- 
det, im griechischen Chiton, aber mit dem Köuigsmantel, in der Linken 
das Scepter haltend, die Rechte segnend ausgestreckt, steht er auf einer 
prächtigen Quadriga, deren Bosse in lebhaft kühner Bewegung vorwärts 
schreiten; zwei Gestalten, der Gruppe auch an ihrer hintern Seite Fülle 
gebend, folgen dem Wagen auf beiden Seiten, die Gestalt der Gerechtig- 
keit und die eines nach dem Kranze ringenden Kriegers. Die Gruppe wird 
durch einen Bau von starken freistehenden Pfeilern getragen, der sich 
über verschiedenen Stufen erhebt. Die nach den äusseren Seiten hinaus- 
tretenden Fronten der Pfeiler sind mit Reliefgestalten von symbolischer- 
Bedeutung geschmückt, auf die Thaten des Königs und auf die Wohltha- 
ten, die er seinem Lande erwiesen, anspielend. Vier reich dekorirte Kan- 
delaber erheben sich auf den Ecken des Monuments. Die einfachen grie- 
chischen Formen, in denen der gesammte Unterbau ausgeführt ist, bilden 
einen wirkungsreichen Contrast gegen das bewegte Linienspie_l der Gruppe, 
welche auf ihm ruht; hier ist eine Fülle der kräftigsten, aber durch ein 
harmonisches Gesetz umschlossenen Aeusserungen des Lebens, zugleich 
der Ausdruck feierlichen Ernstes, hoher Majestät. ln grossartig symboli- 
scheu Zügen spricht sich die Bedeutung aus; was an der Erscheinung des 
Königs vergänglich war, was der flüchtigen Willkür seiner Zeit angehörte, 
ist in dieser Darstellung abgestreift und nur das seinem inneren Wesen 
Eigeuthümliche, nur der Grundzug seines Charakters beibehalten. In freier 
ldealität (die zur Charakteristik einer grossartigen Persönlichkeit nicht der 
Nachahmung äusserlicher Zufälligkeiten bedarf), tritt diese Gruppe vor 
unser Auge, in ungetrübter Schönheit spricht die Kunst in ihr den erha- 
benen Gedanken aus. Auch scheint Sehinkel selbst gerade eine Compu- 
sition, wie diese, als die wüdigste Erfüllung der Aufgabe betrachtet zu 
haben, indem er sie bei seinen spätem Entwürfen noch zweimal, in Ver- 
bindung mit reicherer Architektur, da angewandt hat, wo seine Phantasie
        

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