Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503011
SchinkePs 
Kirchenpläl 
333 
Noch ist Ein Kirchenplan SchinkePs anzuführen, derjenige, welcher 
für die Nicolaikirche in Potsdam bestimmt war (Heft XXlI). Die Anhge 
des Innern dieser Kirche hat Aehnlichkeit mit der letzten in der Reihe 
jener fünf Entwürfe, von denen im Vorigen die Rede war: ein Kreuz, 
dessen Arme mit mächtigen Tonnengcwölben überspannt sind; darüber 
ein hoher und weiter Cylinder (ein sogenannter Tambour), mit einer gross- 
artigen Kuppel überwölbt. Im Ausseren aber bildet dieiGrundform (mit 
Ausfüllung der Räume zwischen den Armen des Kreuzes) ein Viereck, 
und es sind hier durchweg wiederum die Formen der griechischen Archi- 
tektur vorherrschend. Ein griechischer Porticus springt an der Eingangs- 
seite vor; ein Kreis von 28 Säulen umgiebt in luftiger Höhe jenen Oberen 
Rundbau, der die innere Kuppel trägt; und darüber erhebt sich, noch von 
einer Pilasterstellung getragen, die äussere Kuppel. Das ganze Aeussere 
macht den Eindruck eines mächtig imposanten Thurmbaues; es scheint, 
als ob Schinkel das Gebäude vornehmlich aus der Rücksicht in einer sol- 
chen Gestalt gehalten habe, dass es nicht bloss im Allgemeinen das feier- 
lich Erhabene eines kirchlichen Baues. ausspräche, sondern dass es auch 
speciell für die Stadt, aus deren Schooss es emporsteigen sollte, als Mittel- 
punkt und Kern dastände, dass es in solcher Art der gesammten anmuth- 
vollen, aber nicht grossartigen Umgegend von Potsdam ein ernsteres, be- 
deutungsvolleres Gepräge gäbe. Und in der That würde dies in hohem 
Maasse der Fall gewesen sein, wäre das Gebäude, wie es uns im Entwürfe 
vorliegt zur Ausführung gekommen. Dies ist indess nicht geschehen. Es 
wurde nur der untere Theil desselben aufgeführt, der zwar an sich schon 
mächtig aus den übrigen Gebäuden der Stadt emporragt, der aber, was 
das Aeussere anbetrifft, im Wesentlichen nur den Untersatz zu dem oberen 
Theile bildet, an dem erst eine freiere Architektur sich entwickeln sollte. 
Der Raum des Inneren wurde statt jenes offenen (Zylinders, der die Kuppel 
tragen sollte, mit einem flachen Gewölbe abgeschlossen, so dass derselbe, 
wenn immer auch von grosser Wirkung, doch derjenigen freieren Erhe- 
bung entbehrt, auf die er auch berechnet war.  Im Uebrigen indess fehlt 
es dem Gebäude, wie es ausgeführt ist, nicht an reichem Schmucke und 
auch nicht an den Beweisen der geistreichen Eigenthümlichkeit des Archi- 
tekten. Vornehmlich ist dies an dem schönen Porticus des Einganges der 
Fall, dessen Säulen in einer freien korinthischen Ordnung, mit Engelge- 
stalten, die sich aus dem Blätterwerke der Kapitäle erheben, gebildet sind. 
ln den Giebeln des Aeusseren und an den Akroterien derselben sind vor- 
treffliche Sculpturen angebracht; die Nische des Altars ist mit Fresko- 
malereien auf goldnem Grunde geschmückt; der kleine Bau der Kanzel 
vereinigt die anmuthvollsten architektonischen und plastischen Zierden. 
Man darf wohl helfen, dass die Einzelheiten dieses Baues in einem spä- 
teren Hefte der Sammlung von Schinkels architektonischen Entwürfen noch 
erscheinen werden. 
Auch 
hinzugefügt 
später 
Oberbau ist 
der 
werden.
        

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