Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502991
SchinkeYs Kirchenpläne. 
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lich die der grossartigsten oberen Fensterreihe, auf das Innere möglichst 
wenig beeinträchtigt. Diese Fensterarchitektur ist es vornehmlich, was 
die eigenthürnliche Schönheit und Bedeutung dieses Entwurfes ausmacht. 
Die Fenster sind im Halbkreise überwölbt; aber es ist nicht die starre, 
schwere Form dieses Bogens, welche in der antiken Kunst gebräuchlich 
und allein durch willkürliches Ornament reicher auszubilden ist: Bogen 
und Seitenwände der Fenster sind auf eine organische Weise gegliedert, 
so dass, statt der todten Qnadersteine, Säulchen und Einziehungen ein 
bewegtes Leben entwickeln und das Aufstreben der Masse und die elasti- 
sche Spannung des Bogens anschaulich und wirkungsreich aussprechen. 
Diese Anordnung hat viel Verwandtes mit den Formen der sogenannten 
byzantinischen Kunst in ihrer späteren Ausbildung; aber wiederum tritt 
hier SchinkeFs classisches Princip hinzu, welches sowohl, wie es scheint, 
in der Bildung der vorzüglichsten Details, als vornehmlich durch einen 
klaren gesetzmässigen Einschluss der Bogenformen vermittelst kräftig ge- 
führter Horizontallinien (welches Alles zur Vollendung der Rundbogen- 
architektur eben so nothwendig ist, wie es bei der gothischen widerspre- 
chend erscheint) Ruhe, Maass und festen Halt in das Ganze der Anlage 
hineinbriugt. Besonders grossartig erscheint die Facade dieses Gebäudes, 
deren Giebelwand, von zwei schlanken Thürmen eingeschlossen, durch 
ein einziges grosses, reich in dieser Weise gebildetes Fenster ausgefüllt 
wird. unter welchem eine offene Bogenhalle, wiederum von ähnlicher 
Oonstruction, vortritt.  Der zweite von den in Rede stehenden Entwür- 
fen (Heft XV) hat eine wesentlich abweichende Grundanlage. Es ist ein 
Rundbau, von einer mächtigen Kuppel bedeckt, die von zwölf Pfeilern 
getragen wird. Die Pfeiler sind durch halbkreisförmige Tonnengewölbe 
verbunden und enthalten tiefe Nischen zwischen sich, in denen ringsumher 
dreifache Emporen übereinander angeordnet sind. Diese Anordnung scheint 
für das Innere eine grossartigere Wirkung zu begünstigen, indem die Em- 
poren, wenn gleich von sehr bedeutender Anzahl, doch die Hauptformen 
der Architektur nicht wesentlich beeinträchtigen; die Gewölbe, besonders 
die den ganzen Hauptraum des Innern überspannende Kuppel, lassen ein 
hehres, würdiges Gefühl vorherrschen, und die an den zumeist vertreten- 
den Formen durchgeführte Gliederung (ähnlich wie bei der Fensterarchi- 
tektur des vorigen Entwurfes) löst die strenge Erhabenheit des Ganzen 
zugleich in ein heiter bewegtes Leben auf. Gestatteten es die äusseren 
Bedürfnisse, statt der drei Emporen in jeder Nische nur deren zwei an- 
zulegen, so würde auch für die gegenwärtigen Zwecke des protestantischen 
Gottesdienstes kaum eine würdigere Gestalt zu erfinden sein. Auch das 
Aeussere dieses Gebäudes ist als Rundbau gehalten. An den Einzelheiten 
zeigt sich hier wiederum die edelste Durchbildung der (dem Innern ent- 
sprechenden) Formen im Sinne der classischen Kunst; aber die Reihen 
kleiner Fenstergruppen welche mit besondrer Rücksicht auf die einzelnen 
Nischen und die einzelnen Emporen derselben angeordnet sind, lassen das 
Ganze fast zu ernst und düster erscheinen. Mehr nur dient die hoch em- 
porstrebende Schutzkuppel, die sich über der ganzen Anlage erhebt, dazu, 
ihr auch im Aeussern ein feierlich erhabenes Gepräge zu geben.  Der 
dritte Entwurf endlich (Heft XVI) hat im Grundrisse des Innern eine 
Kreuzform; die Arme des Kreuzes sind mit kolossalen Tonnengewölben 
überspannt und in dreien derselben einfache Säulenstellungen, mit einer 
Empore darüber, angebracht; im vierten Arme des Kreuzes steht die gran-
        

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