Schinkelß Kirchenpläne.
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Reichthnme ausgebildet; das Gebäude hat ausnahmsweise das Gepräge
einer zierlichst romantischen Dekoration.
Ein früherer Entwurf für die Werderkirche zu Berlin (Heft Vlll),
statt dessen nachmals der so eben besprochene gothische ausgeführt wurde,
ist in einem Style gehalten, den man, seinen Hauptformen nach, mit ita-
lienischen Gebäuden der modernen Bauperiode vergleichen dürfte. Nur
unterscheidet er sich von diesen, Schinkels eigenthünilicher Richtung ge-
mäss, durch eine Behandlung in mehr griechischem Geiste, wozu hier
natürlich, da die modern italienische Architektur auf der der spätem An-
tike fusst, die gültigste Gelegenheit war. Das ganze Innere des Gebäudes
gewährt einen festlich würdigen Eindruck.
Für die Mehrzahl seiner Kirchenpläne hat Schinkel die Anlage der
Basiliken zum Muster genommen, einer Gattung von Gebäuden, die
ursprünglich dem classischen Alterthume angehörig natürlich der un-
mittelbaren Anwendung classischer Formen vor allen günstig sein musste.
In diesem Betrachte dürfen zunächst die vier Kirchenpläne, welche das
elfte seiner Hefte enthält, als. Beispiele anzuführen sein. Der erste dieser
Pläne erscheint als die edelste Dnrchbildung des Basilikenhaues für die
heutigen Bedürfnisse: ein Langhaus mit doppelten Säulenstellungen im
Innern, durch welche Emporen an den Seiten und an der Giebelwand ge-
bildet werden, flach gedeckt, und eine grossartige gewölbte Nische, dem
Eingange gegenüber; im Aeussern die Gicbelseitc durch einen vorsprin-
genden Porticus geschmückt, die Seitenwände der Einrichtung des In-
nern angemessen mit einer Doppelreihe griechisch eingcrahmter Fenster
versehen. Aehnlich der zweite Entwurf, nur in den Verhältnissen abwei-
chend; ähnlich auch der dritte, doch mit dem bedeutenden Unterschiede,
dass hier, bei kleinerer Dimension, die Säulenstellungen des Innern fehlen.
Gewähren diese Anlagen im Allgemeinen einen edlen, klaren Eindruck,
so ist doch nicht zu längnen, dass das eigentlich kirchliche Element an
ihnen nur wenig hervortritt; das ruhige Genügen, welches den innern
Charakter der griechischen Kunst ausmacht, scheint demjenigen Gefühle,
welches wir in dem Gebäude der Kirche suchen, nicht ganz zu entspre-
chen. Es scheint, dass allein die aufstrebende Form des Bogens und Ge-
wölbes geeignet ist, dies mehr erhebende Gefühl in uns hervorzurufen
(wesshalb denn eben die gothische Architektur so mächtig in dieser Rich-
tung auf uns wirkt, _ja vielleicht in einem Grade, dass sie wiederum
unsrer heutigen Sinnesweise aber aus dem entgegengesetzten Grunde
nicht mehr angemessen sein dürfte). Die einzige erbaulich wirkende Form
in den genannten Plänen ist somit nur die grandiose Nische des Altars,
die wenigstens dem Ganzen einen feierlich erhabenen Schluss hinzufügt.
Bei dem vierten Kirchenplane des genannten Heftes ist zwar die innere
Einrichtung ähnlich, aber Thüren und Fenster sind im Halbkreisbogeu
überwölbt und zugleich im Aeussern, wenn auch einfach, so doch auf eine
gemessen wirksame Weise angeordnet, so dass hiedurch wenigstens das
Aeussere schon einen gewissen feierlichen Eindruck auf das Auge des Be-
schauers hervorbringt. Ungleich bedeutender aber erscheint diese An-
ordnung bei einem fünften Entwürfe, bei dem für eine zu Straupitz in
der Lausitz erbaute Kirche (Heft XIV). Hier sind diese gewölbten Oeff-
nuugen nicht bloss im Aeussern, und besonders für den Eindruck der
Faeade wirkungsreich, angeordnet, sondern auch das Innere hat durch eine
entsprechende Bogcnconstrnction im Ganzen mehr Feierlichkeit erhalten,