Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502937
Werke , 
vom 
antiken Architekturstyle abweichend. 
Ausser einigen Kirchenplänen (von denen ich hernach sprechen werde) 
finden sich nur wenige Entwürfe unter den von Schinkel herausgegebenen, 
in denen er die Formen andrer Baustyle der Vorzeit, als die des griechi- 
schen, zur Anwendung gebracht hätte. Ein ungemein schönes Beispiel 
dieser Art stellt der projectirte Entwurf eines Umbaues des im Posenschen 
gelegenen Schlosses Kurnik vor (Heft XXlll). Auf Veranlassung des Be- 
sitzers ist hier der gothische Baustyl angewandt und das Gebäude in 
eine Art mittelalterlich-romantischen Oastells umgewandelt. Bei der ma- 
lerischen Anordnung, die hier mit Glück durchgeführt ist, bemerkt man 
aber zugleich, dass Schinkel die späteren Formen des gothischen, die des 
sogenannten burgundischcn Styls, zur Ausführung gebracht hat, die Wie- 
derum seiner eigenthümlichen Richtung näher stehen und in denen sich  
geschichtlich betrachtet  schon die Uebergängc zur Aufnahme der anti- 
ken Elemente anzukündigen scheinen.  Nicht minder anziehend ist der 
Entwurf zu dem Schlosse des Prinzen von Preussen auf dem Babelsberge 
bei Potsdam (Heft XXVI), von dem wenigstens der grössere Theil bereits 
zur Ausführung gekommen ist. Auch dies Gebäude erscheint im gothi- 
scheu Style, aber ebenso in einer Fassung, welche der classischen Rich- 
tung nicht allzu entschieden widerspricht und welche überhaupt für Bau- 
werke von nicht monumentalen Zwecken vorzüglich passend ist. Es tritt 
hier nemlich eine gewisse Verwandtschaft mit der Bauweise englisch-go- 
thischer Castelle hervor. Zugleich ist zu bemerken, dass die malerische 
Wirkung dieser Anlage noch bedeutender ist, als die der vorigen. 
Einige Entwürfe zeigen eine grössere oder geringere Verwandtschaft 
mit dem Baustyle der toskanischen Paläste des fünfzehnten 
Jahrhunderts. Den letzteren entsprechend erscheint hier eine gross- 
artig freie Aufnahme mittelalterlicher Motive, aber in einer Umgestaltung, 
welche eine mehr oder weniger entschiedene Durchbildung im griechischen 
Sinne gestattet. Unter diesen ist zunächst anzuführen das Palais des Gra- 
fen Redern in Berlin (Heft XXlll), welches in seiner Hauptform vorzugs- 
weise an den burgähnlichen Charakter der alttlorcntinischen Paläste erin- 
nert, im Detail aber zugleich die volle Lauterkeit griechischen Formensinnes 
verräth. Aehnlich, aber heitrer und freier entwickelt, der Entwurf zu 
einem Palais für den Prinzen von Preussen, welches am Pariser Platze 
zu Berlin, dem Redernschen Palais gegenüber, erbaut werden sollte (Heft 
XXVI). Aehnlich ferner, nur ungleich einfacher, das schöne Rathhaus zu 
Zittau (Heft XXVII), und die für einen Umbau des Berliner Rathhauses 
projectirte Facade (Heft l). 
 Dann ist seine wundersame Compositioil des kaiserlichen Palastes Orianda 
in der Krirnm anzuführen, die, in grossartigen Prachtblättern, in der zweiten 
Abtheilung der schon genannten "Werke der höheren Baukunst" herausgegeben 
ist, Die grossartige Disposition antiken Sinnes vermählt sich hier, in Aufbau 
und Ausführung, mit einem eigenthiimlich phantastischen Element und hat darin, 
unwillkürlich, aber höchst bezeichnend, einen verwandtschaftlichen Zug mit den- 
jenigen Werken classischer Zeit, in welchen das Ilellenenthuni Elelnexlte altnrieix- 
talischer Geschmacksrichtung in sich aufnimmt.
        

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