Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502900
322 
Friedrich 
Karl 
Schinke]. 
führte und die beiden andern Theile (für die Theaterökonomic und für 
das Festlokal) sich jenem als Flügelgebäudc anlehnen liess. In der Höhe 
der letzteren trat, als die vorzüglichste Zierde des ganzen Werkes, an der 
Stirn des mittleren Theilcs ein freier Portikus von sechs reiehgebildeten 
ionischen Säulen, mit einem Giebel bekrönt, hervor; eine entsprechende 
Giebclbekrönung erhielt der Oberbau des mittleren Theiles. Die Archi- 
tektnr des Portikus gab sodann die Hauptformen auch für die Flügelge- 
bäude, die Doppelgeschosse derselben in grossartige Linien einschliessend. 
Eine eigene Fenster-Architektur war hiebei zugleich vermieden, und statt 
deren zwei Pilasterstellungen übereinander angeordnet, zwischen denen 
ein reiehlicheres Licht in das Innere des Gebäudes einfallen konnte. Aehn- 
liche Pilasterstellungen füllen auch die Wände des Oberbaues der Mitte 
aus. Indem diese ganze Einrichtung (und namentlich die der Pilaster- 
stellungen) in einer überraschenden Consequenz durchgeführt wurde, hat 
es Schinkel möglich gemacht, das ganze Werk in einer Weise zu glie- 
dern, welche überall eine lebendig entwickelte Architektur, nirgend eine 
todte, starre Masse zur Erscheinung bringt, während nichtsdestoweniger 
die bedeutsam hervortretenden Hauptformen das Ganze eben als ein sol- 
ches zusammenhalten. Zu alle dem kommt endlich der grosse Reichthum 
des plastischen Schmuckes, der theils die sämmtlichen Giebelfelder an der 
Vorderseite und über den Flügelgebäuden ausfüllt, theils als eine Reihen- 
folge freier Statuen und Gruppen die Spitzen und Ecken der Giebel be- 
krönt und in geistreicher Bildersprache die Bedeutung des Gebäudes ent- 
wickelt.  Diese Mannigfaltigkeit in der Architektur des Ganzen, diese 
strenge Gesetzlichkeit, die sich nach Einem Principe über alle Theile des 
Gebäudes hinbreitet, diese Harmonie der Verhältnisse im Einzelnen unter 
einander und im Bezuge des Einzelnen zum Ganzen, diese Freiheit, mit 
welcher die griechischen Formen, ohne irgend ihre eigenthümliche Bedeu- 
tung zu verlieren oder mit Fremdartigem gemischt zu werden, sich zu 
einem Ganzen von durchaus neuer Composition vereinigen, -'alle diese 
Umstände geben dem Gebäude des Schauspielhauses einen ebenso grossen 
Reiz für den Beschauer, wie sie dasselbe als einen vorzüglich charakteri- 
stischen Punkt in der neuesten Architekturgeschichte erscheinen lassen.  
Auf die umsichtige Anordnung und Zusammenordnung der inneren Räume 
ist hier nicht der Ort, näher einzugehen; auch auf den grossen Reichthum 
geschmackvoller Verzierungen, die sich in den Haupträumen, in Verbin- 
dung rnit der freien Kunst der Malerei entfalten, kann hier nur im All- 
gemeinen hingedeutet werden. Doch ist wenigstens die Architektur des 
grossen Concertsaales, die wiederum die schönste und doch eine freie 
Anwendung der griechischen Formen zeigt, und in der sich reiche Pracht 
und klare Harmonie zum edelsten Eindrücke auf das Auge des Beschauers 
vereinigen, besonders hervorzuheben. 
Den ebengenannten Gebäuden reihen sich noch die Entwürfe zu eini- 
gen prinzlieherl Palästen an, deren Hauptformcn ebenfalls das klare 
Gepräge des griechischen Styles tragen. Vornehmlich die Entwürfe zu 
dem Neubau eines Palais des Prinzen von Preussen am Opernplatze zu 
Berlin (Heft XXVI), von denen der eine, in dessen Ausdehnung der Platz 
des alten Bibliothekgebäudes hineingezogen wurde, sich in einer südlich 
heitern Grossartigkeit zeigt und durch seine Verbindung mit festlicher 
Garten-Anlage von ungemein malerischer Wirkung erscheint; während der 
andre, beschränkter in der Ausdehnung, durch brillanten Säulenschmuck
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.