Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502799
ahes. 
Biographim 
311 
im Jahre 1810 hatte SchinkePs amtliche Thätigkeit im Baufache be- 
geritten, indem er als Assessor in die neuerrichtete Bandermtation gesetzt 
ward. Nachdem der Friede für den Staat zurückerkämpft war, wuyde er 
schnell von den mannigfachsten Arbeiten in Anspruch genommen; bedeu- 
tende architektonische Unternehmungen boten ihm die Gelegenheit, sich 
nunmehr in seiner vollen Meisterschaft zu zeigen; in kurzer Zeit wurde 
er zu den einflussreichsten Stellen befördert. Im Jahre 1811 hatte ihn die 
königliche Akademie der Künste zu Berlin unter ihre ordentlichen Mit- 
glieder aufgenommen, im December 1820 ward er Professor bei derselben 
und Mitglied des akademischen Senates. Im Mai 1815 rückte er in die 
Stelle eines Geheimen Oberbaurathes auf; 1919 ward er Mitglied der tech- 
nischen Deputation im Ministerium für Ilandel, Gewerbe und Bauweißll- 
im Jahre 1839 erhielt er die höchste Stelle, welche der Staat für das Fach 
der Architektur darbietet. die des Ober-Laudes-Baudirectors. Von seinem 
Könige, von auswärtigen Fürsten, von gelehrten und künstlerischen Gesell- 
schaften ward ihm vielfache Anerkennung zu Theil, ebenso, wie die Stimme 
aller Gebildeten der Nation seine hohe, oder vielmehr einzige Bedeutung 
bald anzuerkennen gewusst hatte. Die Worte derjenigen, die kleinlichen 
Sinnes sein hohes und reines Streben nicht zu begreifen vermochten, sind 
lange verhallt. Mit besonderem Vertrauen beehrte ihn der damalige 
Kronprinz von Preussen, Se. lllajestät der jetzt regierende König. 
Die schönste Entwickelung seiner künstlerischen Kräfte schien den 
Tagen seines Alters vorbehalten, als Friedrich Wilhelm lV., ein Fürst, 
der, wie wenige, die erhabene Bedeutung der Kunst, und vor Allem die 
der Architektur, erkannt hat, den Thron seiner Väter bestieg. Aber das 
Schicksal hatte es anders beschlossen. Schon längere Zeit war Schinkels 
Gesundheit bedenklichen Zufällen unterworfen gewesen, welche die ihm 
Näherstehenden mit Besorgniss erfüllten, aber doch nicht die traurige Ka- 
tastrophe, die so plötzlich hereinbrechen sollte, ahnen liessen. Unmittelbar 
nach der Rückkehr von einer Kurreise, die er im Sommer 1840, in Beglei- 
tung seiner Familie, unternommen hatte, erlagen seine Kräfte einem orga- 
nischen Gehirnleiden, das sich langsam und allmählig entwickelt hatte. 
Am 9. September verfiel er in einen besinnungslosen Zustand, aus dem er 
bis an seinen Tod, der erst nach dreizehn Monaten erfolgte, nicht wieder 
erwachte. Nur wenn lärscheinungen an sein Lager traten, die ihm vorzüg- 
lich interessant waren und die durch ihre Neuheit überraschend auf ihn 
wirkten, schien das Bewusstsein auf kurze Augenblicke zurückzukehren; 
rührend ist es, dass vornehmlich Thorwaldseds Erscheinung, der zu dieser 
Zeit Berlin besuchte, in solcher Art anregend auf seine Lebensgeister 
wirkte. Am 9. Oktober 1841 starb Schinkelt). Am 12. October ward 
seine entseelte Hülle bestattet; eine unzählige Menge von Leidtragenden 
geleitete ihn zu seiner letzten Ruhestätte, ein Trauerzug, wie ihn die grosse 
Residenz selten gesehen hat, ein sprechendes Zeugniss, wie allgemein der 
grosse Verlust, der uns betroffen, gefühlt ward.  
Sc. Majestät der König hat befohlen, dass Schinkels Standbild in 
Marmor in der Vorhalle des von ihm erbauten Museums aufgestellt werde. 
i) Die Krankheitsgeschichte SehinkePs ist von seinem Arzte, Hrn. Dr. Paetsch, 
für die medicinische Wochenschrift des Hru. Geheimen Rathes Caspur bearbeitet 
worden. .
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.