Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499955
Englischer Stahlstich. 
hinreichend mit genügenden Abbildungen versehen oder zu weitläuftig und 
kostbar sind. Er hat die Absicht, ein Handbuch für Reisende (die Eng- 
länder reisen bekanntlich auf der Rheinstrasse nach dem Süden) zu liefern, 
welches Wohlfeilheit mit Pracht verbinden soll. Das Werk erscheint in 
Heften in gross 8, welche monatlich ausgegeben werden; jedes Heft enthält 
3 saubere Stahlstiche und einen halben Bogen Text. Der höchst wohlfeile 
Preis ist 6 Pence für das Heft. Das Ganze wird einen Band von 23 Hef- 
ten bilden. 
Zum Ruhme des englischen Stahlstiches etwas hier zu wiederholen, 
erscheint überflüssig; die Engländer sind als Meister in Allem, was Tech- 
nik heisst, bekannt. Diese glückliche Nachahmung freister oder weichster 
Pinselführung, diese kräftig gearbeiteten Vorgründe, diese leise Abtonung 
der Fernen, welche auch in den vorliegenden Blättern uns erfreuen, sind 
unübertrefilich.  
Ein Andres aber ist es, wenn wir die Art und Weise der künstleri- 
schen Autfassung betrachten. Die Engländer begnügen sich selten, wie es 
unsre deutsche Sitte ist, wenn wir nicht nnnöthiger Weise Fremdes nach- 
ahmen, das Bild einer Gegend einfach und treu so wiederzugeben, wie sie 
es vor sich gesehen: sie verlangen ein pikantes Spiel von Licht und 
Schatten, dunkle Wolkenmassen, die ein helles Gebäude im Vorgrund 
heben, oder sonnige Fernen, in den Rahmen eines dunklen Vorgrundes 
eingeschlossen. Und freilich müssen wir es anerkennen, dass sie auf diese 
Weise der Landschaft zuweilen einen eigenthümlieh phantastischen Reiz 
zu geben wissen. So befindet sich in einem der vorliegenden Hefte (im 
Sten) eine Ansicht des Lurley-Felsens bei St. Goar, darin diese, schon an 
sich seltsame Formation wie zu einem Mährchenbilde umgestaltet erscheint: 
der Himmel ist mit dicken, zerrissenen Wolken bedeckt, der Rhein treibt 
ungestüm in dunkeln, fast schwarzen Wogen; der Felsen ist grell beleuchtet, 
dass seine wunderlichen Zacken und Brüche fast wie lebendige Gestalten 
hervorspringen; oben in den Wolken entwickelt es sich wie ein elektri- 
sches Licht und fernere Lichtmassen schütteln sich auf den Berg im Grunde 
des Bildes nieder. Das Bild passt zu den unheimlichen Geschichten, die 
von dem Felsen erzählt werden. Nicht minder gelungen ist (im 4ten Heft) 
die Ansicht von St. Goar und den Ruinen der Bergfestung Rheinfels. Hier 
blickt man von der Höhe auf den weiten, klaren Spiegel des Rheines 
hinab, der das umgekehrte Bild von St. Goar und Goarshansen mit ihren 
Bergen und Burgen deutlich wiedergiebt; die Sonne wird durch den Wipfel 
eines kühn über den Abgrund sich hinaus lehnenden, schlanken Baumes 
gedeckt, während über den hellbeleuchteten Zinnen der alten Festung 
Wolken aufzusteigen beginnen. Wir bezweifeln nur, dass hier, gen Süden, 
jemals die Sonne so tief über dem Horizont gestanden hat. 
Auf Letzteres indess wird es dem reisenden Engländer wenig ankom- 
men; ebensowenig darauf, ob in diesen Heften die deutsche Landschaft in 
ihrem eigenthümlichen Charakter wiedergegeben oder, wie es meist der Fall, 
ob sie als Folie willkürlicher Phantasieen benutzt ist. Vor der Hand ist 
er zufrieden, an Ort und Stelle gewesen zu sein; hernach kann er in aller 
Gemächlichkeii Seine Schönen Views of the Rhine betrachten. Als ich in 
Heidelberg studirte. begegnete ich auf der schönen Bergstrasse nicht selten 
englischen Reisewagell, die zu allen Seiten wohlverschlossen waren. 
Was den beigefügten Text anbetrifft, so ist hier nicht der Ort, den- 
selben zu recensiren. Er ist, wie oben bemerkt, nicht nur in englischer,
        

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