Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502720
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungen 
eine sichere und bewusste Sinnesrichtung aus, durch welche allein die 
Architektur des heutigen Tages zu einer eigenthümlichen und selbständigen 
Gestaltung zu gelangen vermag. Um so mehr hat dies Bestreben auf un- 
sere Anerkennung Anspruch. als die eingeschlagene Richtung auf einem 
durchaus würdigen, dem Zweck der Gebäude angemessenen Formensinne 
beruht, der nicht nach willkürlicher Laune, aus dem grossen Vorrath, 
welchen die Geschichte der Architektur uns darbietet, Einzelnes auswählt, 
sondern sich nur von dem Gefühle, welches die Bedeutung der Aufgabe 
erkannt hat, leiten lässt. Allerdings zwar ist auch hier die geschichtliche 
Grundlage unverkennbar; es sind die Hauptformen, die Grundmotive des 
romanischen Baustyles, von denen Hr. v. Lassaulx durchweg ausgegangen 
ist; aber gerade diese dürften den kirchlichen Interessen der Gegenwart 
sowohl, als dem Bildungsgange, den die heutige Kunst durchgemacht hat. 
am Vorzüglichsten entsprechen. Sodann sind diese Motive mit Freiheit 
und Einsicht benutzt und ausgestattet, so dass sie gleichwohl zu einem 
wesentlich Neuen umgebildet erscheinen; bei dem Ernst, bei der Würde. 
die wir in kirchlichen Anlagen suchen, finden wir hier zugleich diejenige 
Bestimmtheit und Klarheit. ohne welche unser heutiger Formensinn sich 
nicht befriedigt fühlt. Vorzüglich bedeutend sind die beiden grösseren, 
dreischiffigen Kirchenbauten, deren Gewölbe durch schlanke achteckige 
oder runde Pfeiler gestützt werden, und die sonst an Fenstern, Portalen 
und Gesimsen mancherlei feineren Schmuck enthalten; die eine von ihnen 
ist zu Vallendar, die andere zu Güls an der Mosel gebaut, die letz- 
tere bereits vollendet, die erstere ihrer Vollendung nah. Aber auch dlg 
kleineren Kirchen  zu Weissenthurn, Capellen, Gebern, Boos, 
Valwig, Waldesch  bieten mannigfaches Interesse und bezeugen es 
namentlich, wie auch im kleinen Maasse und bei geringen Mitteln, durch 
richtigen Sinn, das Angemessene und Bedeutende zu erreichen ist. 
An diese Entwürfe reiht sich eine kleine Schrift von Herrn v. Lassaulx; 
„Beschreibung einer neuen Art Mosaik aus Backsteinen (abgedruckt aus 
den Verhandlungen des Gevrerbevereins zu Koblenz vom Jahr 1838), Kob- 
lenz, 1839." Der Verfasser hat ein sinnreiches Verfahren erfunden, die 
Fussböden kirchlicher und andrer Räume von Bedeutung durch einfache 
musivische Arbeit zu überkleiden, die sich ebenso durch ihren anmuthigen 
Eindruck auf das Auge auszeichnet, wie sie sich durch Wohlfeilheit und 
vorzügliche Dauer empfiehlt. Angestellte Versuche haben die leichte Aus- 
führbarkeit dieses Schmuckes, der sich auch zur Verzierung von Faeaden 
eignen dürfte, bereits zur Genüge dargethan. Die kleine Schrift, der ein 
näher erläuterndes lithographisches Blatt beigefügt ist, wird von den aus- 
übenden Architekten ohne Zweifel mit beifälliger Theilnahrne aufgenom- 
men werden.
        

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