Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502630
däs K. 
Die Gvmäldesammlung 
Schwvd 
Consuls Wagener 
in Bnrlin. 
295 
Beziehungen wiederholen sich, mehr oder minder. die schon mannigfac], 
und bei vielen andern Gegenständen hervorgehobenen Gegensätze des 
Klassischen und Romantischen, des Epischen und Lyrischen , des Naiven 
und sentimentalen. Dass natürlich zwischen beiden, durch den heutiges 
Tages so sehr erleichterten Verkehr der Kunst, sowie durch besondre 
persönliche Anlage, manche einzelne Annäherung. manch ein einzelner 
Uebergang stattfinden kann, muss in der Natur der Sache begründet sein. 
Wie schon bemerkt, kann die ganze Eigenthümlichkeit der Münch- 
ner Schule nicht aus Staffeleigemälden kleinerer Dimension und minder 
grossartigen Inhalts, bei denen zugleich all jene äusserlich bestimmenden 
Bedingnisse wegfallen, beurtheilt werden; wohl aber müssen auch diese 
in ihrer eigenthümlichen Erscheinung immerhin den Kreis bezeichnen, 
welchem sie angehören, müssen auch sie die allgemeine Richtung, die 
Behandlungs- und Auifassungsweise der Schule erkennen lassen. Inydieser 
Beziehung nun bieten die der Münchner Schule angehörigen Genrebilder 
und Landschaften, welche sich in der Gemäldesammlung des H", wa- 
gener in nicht geringer Anzahl vorfinden, "mannigfach charakteristische 
Beispiele. die im Einzelnen auch einen tieferen Blick in den Geist und 
das Wesen der Schule verstatten. Umfassender konnte die Düsseldorfer 
Schule repräsentirt werden, nicht nur durch die grössere Auswahl von 
historischen Gemälden, Gcnrescenen, Landschaften und Stillleben, sondern 
auch aus dem Grunde, dass sich der gemeinsame Charakter dieser Schule 
auch in jedem einzelnen Werke freier und vollständiger zu entwickeln-ver- 
mag.  Die einzelnen Namen der Künstler dieser Schulen, deren Werke 
in der Sammlung enthalten sind, hier anzuführen, scheint überflüssig, da 
das Verzeichniss stets das Lokal namhaft macht, dem die Bilder rück- 
sichtlich ihres Ursprunges angehören. 
Die neueren Leistungen der Berliner Kunst (an denen die Samm- 
lung wiederum sehr zahlreich ist) stehen zwar ebenfalls nicht ohne nam- 
hafte Bedeutung für die Gegenwart da, lassen sich jedoch nicht unter 
ähnlich allgemeine Gesichtspunkte zusammenfassen. Einzelne Meister bil- 
den auch hier hervorstechende Mittelpunkte, doch haben sich nicht gleich 
ausgedehnte Schulen um sie versammelt. Unter ihren Werken sind , in 
Bezug auf die in Rede stehende Sammlung, zunächst vornehmlich die 
Werke Wach's hervorzuheben. An Einflüssen der Düsseldorfer Schule. 
bei dem nahen Verhältniss der letzteren zu Berlin, fehlt es nicht; mehr 
jedoch herrscht, in Genre und Landschaft, theils eine selbständige, einfach 
unbefangene Auffassung der heimischen, oder allgemeiner bezeichnet: der 
nordischen Natur vor, theils giebt die glänzendere, zumeist in idealer Rich- 
tung anfgefasste Natur und das ganze Leben des italienischen Südens das 
Vorbild. Die Beispiele aufzuzählen, welche die Sammlung auch in dieser 
Beziehung darbietet, würde zu weit führen. 
Ueberhaupt ist Italien, sei es durch seine grossen Musterbilder der 
Kunst, sei es eben nur durch seine Natur und Sitte, noch immer in viel- 
facher Beziehung als ein Bildungs-Element der heutigen Kunst zu betrach- 
ten; und die in der Sammlung des Hrn. Wagener vorhandenen Bilder von 
E, Magnus, Catel, Reinhold, Wellcr, E. Meyer (aus Kopenhagen 
gebürtig), J. B. Maös (aus Gent) u. a. m. geben hiefür mannigfach be- 
deutende Belege. Die Italiener selbst verhalten sich dagegen in neuerer 
Zeit nur wenig productiv; doch bieten auch für sie die Bilder von Mig- 
liara Beispiele.
        

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