Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502565
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läerichte, 
Kritiken 
Erörterungen. 
ausgeht. Die Brust ist, über dem Kettenhemde, mit einem Schuppenpanzer 
umgeben. Den Kopf bedeckt eine Kettenhaube, welche zugleich Hals und 
Schultern umschliesst; darüber ist der gekrönte Helm aufgesetzt. Die Hüf- 
ten umgiebt, lose hängend, ein breites Sehwertgehänge von zierlich durch- 
broehener Arbeit. Die rechte Hand hat das Schwert gefasst, welches der 
Fürst vor sich, auf den Boden gestützt, hält; die linke ist in die Seite 
gestemmt. Der Königsmantel- ist frei über die rechte Schulter geworfen, 
fällt in grossen Massen über den Rücken und ist dann um den linken Arm 
gewickelt, so dass er hier in schönen Falten zur Seite der Figur nieder- 
iliesst. Das Gesicht, jünger als das des Vaters und mit kürzerem Barte, 
vereint mit ähnlichen Zügen den Ausdruck grösserer Kraft und Festigkeit. 
Das Kostüm, sowohl das des Krieges bei der einen, wie das des Frie- 
dens bei der andern Figur, befolgt, wie bereits bemerkt, aufs Genaueste 
diejenige Art und Weise, welche in jener früheren Periode des Mittel- 
alters gebräuchlich war. Es bezeichnet somit zunächst die allgemeine 
historische Stellung der beiden gefeierten Männer. Dabei ist zugleich das 
sorgfältige Verständniss, die vollkommenste Naturwahrheit, mit welcher 
dasselbe im vorliegenden Falle behandelt ist, hervorzuheben. Vornehm- 
lich gilt dies von der kunstreichen Behandlung des Kettengewebes, dessen 
eigenthümliche Last an den Stellen, wo es frei hängt, dessen festes An- 
schmiegen an die hervortretenden Formen, dessen Verschiebung bei der 
Bewegung jedes einzelnen Gliedes und wo es sich in kleinere oder grös- 
sere Falten legt, dem Beschauer in täuschender Naturwahrheit entgegentritt. 
Nicht minder meisterhaft sind aber auch die sämintlichen anderweitigen 
Stoffe behandelt; namentlich der feine Pelz der fürstlichen Mäntel ist von 
überraschender Weichheit. All dieser hervorstechende Reichthum des K0- 
stüms muss natürlich bei dem Bronzeguss (dazu das Modell bestimmt ist) 
einen vorzüglich schönen Effekt hervorbringen; auch hören wir, dass 
demselben in der Bronze noch ein andrer Schmuck:  Säume und andre 
Verzierungen, die aus Silber eingelegt werden sollen, sowie edle Steine 
an den passenden Stellen,  hinzugefügt werden wird, wozu denn eben 
der Gesammt-Stoff des Metalles, sowie der besondre romantisch-historische 
Charakter der Figuren vornehmlich passend ist. 
Zugleich aber sind, wie bereits bemerkt wurde, die Besonderheiten 
dieses Kostüms ebenso geeignet für eine freie künstlerische Behandlung, 
wie für die persönliche Individualisirung. Der enganschliessende Ketten- 
und Schuppenpanzer verstattet die freie, lebendige Entwickelung der Form 
und lässt den Beschauer die Kraft der kriegerischen Gestalt, die Rüstig- 
keit der Bewegung ungehindert in sich aufnehmen. Die weiten. durch 
keinen Modeschnitt (wie im späteren Mittelalter) beengten Gewänder des 
älteren Fürsten geben dagegen die Gelegenheit zur Darstellung des gross- 
artigsten Faltenwurfes. Hiedurch entsteht zugleich die schönste Wechsel- 
wirkung in den Linien, welche die beiden Gestalten umschreiben. Auch 
ist zu beachten, dass der Mantel, welcher dem kriegerischen Fürsten, zur 
Bezeichnung seiner Würde sowohl, wie zur Hervorbringung der nöthigen 
Fülle des Ganzen, gegeben werden musste, frei und leicht umgeworfen ist, 
somit das Lebendige, mehr Momentane in der Bewegung dieser Gestalt 
ebenso hervorhebt, wie er durch den mehr wechselnden Schwung der 
Linien zur Durchführung des angedeuteten Contrastes dient. 
Alle diese angeführten Elemente der historischen Treue, der Charak- 
teristik, der Naturwahrheit aber bewegen sich in dem Grund-Elemente
        

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