Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502558
Sculptur. 
Berlin. 
287 
Sohne, dem König Boleslav Chrobri (st. 1025), im Dome von Posen ge- 
setzt werden soll, öffentlich ausgestellt. Ueber die Veranlassung zu die- 
sem Unternehmen, über die ersten Pläne und die durch den verstorbenen 
Erzbischof v. Wolicki veranstalteten Sammlungen, sowie über die wesent- 
liche Förderung, welche dem Unternehmen neuerdings durch die thätige 
Theilnahme des Grafen Eduard Baczynski zu Theil geworden ist, hat das 
Museum bereits berichtet.  Die Opfer, welche die Errichtung eines sol- 
chen Moumentes erheiseht, zeigen sich gegenwärtig bereits, durch die wür- 
digste Lösung der Aufgabe, aufs Schönste belohnt: sie ist ein Zeugniss 
mehr für die Meisterschaft Rauch's, für den hohen und eigenthümlich 
ausgebildeten Standpunkt, welchen die monumentale Plastik unsrer Tage 
einnimmt. 
Die Auffassung und Anordnung des Ganzen ist äusserst einfach. Beide 
Fürsten stehen ruhig, ein wenig zueinander gewandt, vor dem Auge des 
Beschaners da; das Kreuz des Stabes, welchen der ältere von ihnen in der 
Hand hält, erhebt sich über ihren Häupter-n und schliesst die Gruppe auf 
eine sinnvolle Weise. Die Höhe der Gestalten beträgt 7 Fuss 2 Zoll. Ihr 
Kostüm ist ganz das ihrer Zeit, ausgewählt in Bezug auf die Persönlich- 
keit eines jeden von ihnen, somit charakteristisch für Zeit und Persön- 
lichkeit, zugleich aber (wie es in der That bei dem Kostüm des früheren 
Mittelalters der Fall ist) höchst günstig für künstlerische Behandlung. Der 
ältere der beiden Herrscher, Miecislav, der Gründer des Christcnthums in 
Polen, erscheint als der Fürst des Friedens. Er trägt eine lange, reich- 
gernusterte Tunika, welche bis auf die Knöchel hinabreicht und mit dem 
Schwertgurte umgürtet ist. Die Aermel der Tunika reichen bis zum El- 
bogen; von da ab, bis zum Handgelenk, wird der Aermel des Ketten- 
hemdes sichtbar, welches der Fürst (als Bezeichnung des immer noch so 
kriegerischen Zustandes seiner Zeit und seines Landes) unter der Tunika 
angelegt hat. Die Füsse sind mit Schuhen bekleidet. Ueber der Tonika. 
trägt er den fürstlichen Hermelin-Mantel, welcher auf der rechten Schulter 
durch ein Schloss zusammengefasst wird und nach vorn und hinten in 
reichen Falten niederfallt, so jedoch, dass die rechte Seite der Figur unter 
dem Mantel frei hcrvortritt. Der linke Arm, dessen Hand den Kreuzstab 
hält, hebt auf seiner Seite den Mantel ein wenig empor, wodurch eine 
contrastirende Bewegung in den grossen Linien der Falten hervorgebracht 
wird. Die rechte Hand, frei vor die Brust gehoben, weist nach dem Kreuze 
empor, auf das Symbol, welches die Grundbedeutung des Monumentes 
enthält, hindeutend. Das Haupt, dem Beschauer entgegengewandt, ist ein 
wenig geneigt; es ist mit einem Helme, den ein Kronen-artiger Reif um- 
giebt und dessen Spitze ein kleines Kreuz schmückt, bedeckt. In den 
edlen Zügen des Gesichts ist der Ausdruck der Milde vorherrschend. Das 
Haupthaar ist lang, der volle Bart ebenfalls nicht gekürzt. 
 Der jüngere Fürst, Boleslav, der sich dem Vater zuwendet. trägt in 
seiner gesammten äusseren Erscheinung das Gepräge derjenigen kriegeri- 
Sßhell Gewalt, mit welcher er die polnischen Waffen weit über die Nach- 
barländer hiuausnllg und dem neubegründeten Christenthum eine eiserne 
Sicherung verlieh. Er ist ganz gepanzert. Die Beine sind mit Ketten- 
hoscn bekleidet, welche sich eng um die Formen des Körpers schmiegen 
und die Linien derselben dem Auge des Beschauers rein entgegentreten 
lassen. Den Leib bedeckt ein Kettenhemde mit langen Aermeln, das etwa 
bis zur Hälfte des Oberschenkels hinabfällt und hier in gezackte Spitzen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.