Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502538
Das 
Scheibanscbiessen. 
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sung und Uebersicht der seit Errichtung des Kunstvereines für Rheinhmd 
und Westphalen in dessen Rechnungen pro 1829 bis incl. IS-"jas aufge- 
führten Erwerbungen von Gemälden und desfalls, sowie zur Ausschmückuug 
öffentlicher Gebäude-verwendeten Beiträge; mit Unterscheidung des Vater- 
landes der Producentenß  
Das 
Scheibenschiessen. 
mann Eichens. 
Peint par E. Meyerheim, 11th. par 
Berlin, bei L. Sachse und Comp. 
Herr- 
(Museum 1837, 
Das vorliegende Blatt veröffentlicht eins der ansprechendsten Erzeug- 
nisse unsrer modernen Genremalerei, welches die Zustände heutigen Ver- 
kehrs mit lebendiger Frische, launiger Charakteristik und künstlerischer 
Vollendung dargestellt hatte. Es ist nach jenem Gemälde Meyerheimk 
ausgeführt, das auf der letzten Berliner Ausstellung so zahlreichen Bei- 
fall fand. Man sieht ein fröhliches ländliches Fest vor sich; das Kostüm 
der Personen deutet auf westphälische Gegend. Im Hintergrund auf einer 
Anhöhe das Wirthshaus, von hohen Bäurnen umgeben, daneben der Schiess- 
stand und die emporgerichtete Stange einer Sternscheibe. Im Vorgrund 
der Glückliche, der den königlichen Schuss gethan, mit Bändern, Medaillen 
und Blumensträussern geschmückt, das Gefühl seiner neuen Würde nicht 
gänzlich verhehlend. Zierliche Mädchen und Frauen kommen von der 
einen Seite, ihm zu gratuliren, von der andern ein jovialer Alter, ver- 
muthlich der Schenkwirth. Gegenüber sind einige Freunde, welche mit 
lautem Jubel auf die Gesundheit des Schützenköniges trinken. Zwischen 
beiden Gruppen naht sich der Zug der Schützen, dem neuen Oberhaupte 
ihren Respekt zu erweisen; sie werden von der Bande der Dorfmusikanten 
angeführt, die es sich weidlich angelegen sein lassen, ihr Bestes zu leisten; 
vorauf geht, im Tanzschritt, ein Knabe, der die abgeschossene Scheibe 
emporträgt. Zusehauende stehen umher, unter ihnen der Künstler selbst. 
An einem Tisch, im Mittelgrunde, sitzt Einer, vielleicht der Schützen- 
könig des abgelaufenen Jahres, der sich halb verdriesslich abwendet und 
von seiner Umgebung verspottet wird. Die Lithographie giebt dies Alles 
auf eine erfreuliche Weise wieder; die Ausführung ist, der Feinheit des 
Originales nachgehend, äusserst sorgfältig, aber sie verbindet mit dieser 
Zartheit zugleich eine grosse Kraft und Sicherheit. Die gemüthliche Laune, 
diengeistreiche Individualisirung, die Meyerheim's Bildern, neben seiner 
schonen Technik, einen so grossen Werth verleihen, sprechen auch hier 
lebhaft Zürrt Beschauer. Das tigurenreiche Ganze ist in guter Harmonie 
gehalten, die Luft-Verhältnisse wohl beobachtet. Der Druck des Blattes 
ist vortrefflich.
        

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