Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502495
Berlin. 
Malerei. 
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ganz in das dunkle Gebiet der 'l'ränme und Gespenster einzuführen scheint, 
günstig, ob überhaupt nur zulässig sei. Gewiss muss diese Frage mitNein 
beantwortet werden, wenn man nur das Unheimliche, Phantastische des 
Gegenstandes festhält, wenn man darin nichts weiter sieht, als eine Wie- 
derholung jenes alten Mährchens, das sich aller Orten an das Gedächtniss 
grosser Schlachten anknüpft, aller Orten aus dem Grauen vor den blutge- 
tränkten Stätten hervorgegangen ist. Aber die höhere Kunst hat. das Ver- 
mögen, den darzustellenden Gegenstand nicht bloss in seiner nächsten, 
sondern zugleich in einer tieferen, symbolischen Beziehung aufzufassen, 
diese Beziehung in eigenthümliclter Behandlung sichtbar lterauszustellen. 
Und wohl sind wir ermächtigt, in jenes Mährchen von der Geisterschlacht 
zwischen Hunnen und Römern einen tieferen Sinn zu legen. Hier ist es 
kein Kampf, der nur um die kleinlichen Interessen des Mein und Dein 
gekämpft worden ist: hier sind es die letzten Nachkommen einer alten 
Welt, die ersten Verfechter einer neuen, die im verzehrenden Sturme zu- 
sammentreffen und sich gegenseitig in naturnothwendigem Hasse vernichten 
müssen, bis spät erst über ihren Gräbern ein neues Leben emporsprossen 
kann. Es ist jener unaustilgbare Kampf der alten und neuen Geister, der 
noch lange, nachdem die Wogen der Völkerwanderung in geregelte Bah- 
nen gelenkt sind, insgeheim fortdauert, der noch oft, in schauerlichen 
Sagen, die halbverkluxigenen Gestalten der alten Welt emportauchen und 
nnheilbringend in das neugeschailene Leben eingreifen lässt. Diese Be- 
deutung ist es, welche wir in Kaulbach's Composition erkennen müssen; 
dieser grossartige, welthistorische Charakter ist es, welcher in dem Bilde 
eine vollkommen klare ltlntwickelung, ein abgewogencs Maass, eine über- 
schauliche Ruhe des Ganzen nothwendig machte; dieser erustere Sinn ist 
es, welcher jene überraschenden Effekte, jene dämmerhaften Gestaltungen 
des Unheimlichen abweisen musste, um in der Darstellung reiner (freilich 
nicht charakterloser) Schönheit reichlichen Ersatz zu geben.  
Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass einem Werke, welches zu 
den ersten Leistungen unsrer Zeit gehört, welches die Bedeutung der in 
unsrer Zeit vorhandenen Kräfte abschätzen lässt wie wenig andre Werke 
der Kunst, und welches keinen Vergleich mit den Leistungen der Vorzeit 
zu scheuen hat, in unsern Mauern ein Aufbewahrungsort zu Theil gewor- 
den ist, wo es, durch die Liberalität seines Besitzers, dem Genüsse eines 
jeden Kunstfreundes frei steht. 
Berlin. 
Malerei. 
(Museum 
1837, 
lrn Atelier des Hrn. Professor G. W. Völcker sahen wir kürzlich 
ein so eben Vollendetes Gemälde, welches für I. M. die Königin der Nieder- 
lande bestimmt ist und den Roscngarten S. K. H. des Prinzen Albrecht 
von Preussen vorstellt. Es ist 7 Fuss, 7 Zoll hoch und 5 Fuss 8 Zoll 
breit. Das Bild enthält rcichbepflanzte Rosenbccte, theils niedere Sträu-
        

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