Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502436
Neuere 
Gemälde. 
Berlin. 
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dem Bilde ein bedeutender Raum gewonnen, indem die namhafte Anzahl 
der Personen  und vornehmlich trilft diese Bemerkung die Hauptgruppe 
 sich vollkommen frei und ungehindert nebeneinander bewegt. Es ist 
besonders die im höchsten Grade vollendete Luftperspective, durch welche 
ein solches Hineiusehreiten des Bildes in die Tiefe möglich gemacht wird. 
Nicht minder indess, wie die Composition an sich, dient auch die male- 
rische Ausführung, eine vorzügliche Gesammtwirkung hervorzubringen. Es 
ist eine Harmonie in dem Bilde, die um so mehr auf Bewunderung An- 
spruch hat, als die Menge der dunkeln Negerliguren dieselbe natürlich um 
ein Bedeutendes erschweren musste. Ueberhaupt zeugt Alles, was dem 
Elemente der malerischen Technik angehört, von einer höchst ausgebilde- 
ten Meisterschaft; die mannigfachen Stoffe und Geräthschaften, das Nackte 
an Europäern und Negern, die warme, abendlich geröthete Luft,  Alles 
ist aufs Höchste naturwahr, man möchte sagen: in vollkommener Wirk- 
lichkeit vorhanden. Ebenso gelungen ist die Charakteristik der einzelnen 
Gestalten, und diese vorzüglich giebt dem Vorgange sein eigenthümliches, 
ergreifendes Gepräge. Das stumpfe, nur von thierischer Leidenschaft be- 
wegte Leben der Neger tritt hier in ebenso lebendiger Entwickelung und 
mannigfacherAbstufung, wie die grauenvoll gleiehgültige Barbarei, welche 
den Adel des europäischen Menschenschlages noch unter jene beklagens- 
werthe Nation hinabwürdigt, aufs Bestimmteste vor die Augen des Be- 
schauers.  Aber ist dies ein Gegenstand für die Kunst? darf es dem 
Künstler erlaubt sein, die grösste Schmach, welcher das menschliche Ge- 
schlecht verfallen ist, in bildlicher Darstellung fest zu halten?  Gewiss 
mag Vieles in der modernen französischen Kunst unter dieser oder ähn- 
licher Rücksicht nicht zu vertheidigen sein: bei dem in Rede stehenden 
Bilde, glaube ich, gilt ein solcher Vorwurf nicht. Hier ist nicht das phy- 
sisch Widerwärtige, hier ist nur das moralisch Furchtbare dargestellt, und 
wir müssten consequenter Weise alle bildlicheDarstellung des Verbrechens 
aus dem Bereiche der Kunst ausschliessen, wollten wir das Einzelne darum, 
weil es unser Gemüth mit heftigster Gewalt trifft, nicht gelten lassen. Für 
den Schmuck eines zierlichen Boudoirs, für einen eleganten Festsaal passt 
das Bild freilich nicht; in einer Gallerie geschichtlicher Darstellungen aber 
würde es ein sehr bedeutendes Kapitel auszufüllen geeignet sein. Es ist 
in der That in dem Bilde, obgleich es nach gewöhnlicher Rubricirung 
vielleicht unter das Genre gezählt werden könnte, ein, wenn auch sehr 
bittrer, so doch zugleich sehr grosser und eindringlicher geschichtlicher 
Ernst, der es nicht nöthig macht, für diese Personen und dieses Lokal 
noch besondere Namen (die so häufig den tragischen Inhalt ersetzen müs- 
sen!) aufzuführen.  
Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit der Bilder eines 
Berliner Künstlers zu gedenken, welche sich ebenfalls in der Kunsthand- 
lung des Hrn- Saehse befinden. Es sind die drei ersten Versuche im 
Fache der Oelmalerei von Hrn. A. Menzel, einem Künstler, der bisher 
nur durch seine eigenthümlieh geistreichen Zeichnungen (meist Lithogra- 
phieen mit der Feder oder mit der Kreide) das Interesse der Kunstfreunde 
gewonnen hat. Trägt das erste dieser Bilder noch das entschiedene Ge- 
präge des Versuches, so hat das zweite doch schon sehr anziehende Vor- 
züge. Es ist eine ziemlich reiche Composition, die Darstellung eines 
mittelalterlichen l-laustlures, auf dem die Bewohner, in lebhafter Unruhe, 
theils beschäftigt sind, sich zum Kampfe zu rüsten, thcils Kostbarkeiten
        

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