Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502422
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörtern n gen. 
len Beispielen in einer so umfassenden, anschaulichen und geistreichen 
Weise abgefasst, dass sie zur Erreichung des vorgesteckteu Zieles die 
beste Gelegenheit geben muss. 
Gemälde. 
Neuere 
Berlin. 
(Museum 
1837, 
Eine Erscheinung von eigcnthümlichem und sehr bedeutendem Inter- 
esse für die hiesige Kunstwelt bildet ein Gemälde des französischen Malers 
Biard, welches seit kurzer Zeit in der Kunsthandlung des l-lrn. Sachse 
ausgestellt ist. Es hat, was die Dimensionen anbetrifft, 7 Fuss Breite zu 
5 Fuss Höhe und enthält eine Darstellung des Sclavenhandels. Ein krie- 
gerischer Negerstamm bringt eine Schaar von Gefangenen, die einem über- 
wundenen Stamme angehören, auf den Schauplatz und verhandelt dieselben 
an Europäer. Auf der rechten Seite des Bildes liegt der Sklavenhändler, 
in leichter europäischer Kleidung, auf Matten hingestreckt, und leitet mit 
einer fast nachlässiger: Gleichgültigkeit das Geschäft i); vor ihm sitzt der 
Negerhäuptling, seine Pfeife sehmauchend, am Boden und beobachtet das- 
selbe in einer nicht minder gemüthlosen Ruhe. Hinterwärts werden die 
Reihen der Gefangenen, mit starken Bastseilen zusammengefesselt, herbei- 
getrieben. Die Hauptscene ist in der Mitte des Bildes. Ein Neger liegt 
am Boden gestreckt; zwei Matrosen sind beschäftigt, seine Körperbeschaf- 
fenheit (vornehmlich die Gesundheit seiner Zähne) zu untersuchen und 
ihrem Herrn darüber zu berichten; es scheint, dass sie  0b mit Grund 
oder bloss betrüglieher Weise, vermögen wir nicht zu ermitteln  Mängel 
zu rügen haben, die natürlich einen geringem Preis für den Untersuchten 
herbeiführen müssen; wenigstens sind die vier geschmückten Negerkrieger, 
welche den Handel führen, in sehr lebhafter Bewegung, und Staunen, 
Eifer, heftiger Zorn malfsich bei der ausgesprochenen Anerbietung in 
ihren Zügen. Daneben wird durch einen dritten Matrosen, dem ein Knabe 
die brennende Laterne hält, eine Sklavin mit dem glühenden Stempel auf 
dem Rücken gezeichnet. Zur Linken, wo im Vorgrunde ein vierter, halb- 
nackter Matrose mit der eisernen Fessel steht, sieht man die bereits Er- 
kauften, die sich noch der letzten freien Bewegungen erfreuen, noch den 
letzten Abschied von einander nehmen, weiter zurück aber schon in den 
Kahn hinabgetrieben werden, der sie dem unglückseligen Loose, welches 
in dem, am ferneren Horizonte vor Anker liegenden Schitfe ihrer wartet. 
entgegeuführen soll. Das Ganze der Begebenheit ist meisterhaft erzählt, 
die Anordnung so, dass sich Alles von selbst vor den Augen des Beschauers 
entwickelt. Zugleich sind die Seenen auf den beiden Seiten dem eigent- 
lich spannenden Vorgange in der Mitte des Bildes der Art untergeordnet, 
dass dieser das vorzüglichste Interesse in Anspruch nehmen muss und als 
die Hauptgruppe zunächst in die Augen springt. Mit grosser Kunst ist in 
Weise 
i) Seltsamer 
Purtraitirt. 
hat 
der 
Künstler 
in 
Sklavenhändler 
dem 
sich 
selbst
        

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