Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502334
Die 
Christi. 
Verklärung 
VOD 
Oelgemälda 
Begas. 
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der irdischen Natur noch nicht entäussert, und nur das glänzende Licht, 
welches seine Gestalt überströmt und von ihr ausgeht, bezeugt seine Ge- 
meinschaft mit höheren Wesen. Dieser Auffassungsweise gemäss finden 
sich denn auch. im Gegensatz gegen die angeführten Werke. bereits ältere 
Gemälde, welche die biblische Erzählung in ihrer einfachen (und an sich 
doch schon so grossen) Bedeutung darstellen, wie z. B. ein Bild von Gio- 
vanni Bellini im Museum von Neapel, in welchem man Christus mit Moses 
und Elias auf der Höhe des Berges Tabor stehen sieht. Derselben Weise 
ist auch Begas in seinem neusten Werke gefolgt. 
Seine Composition zerfällt in zwei Theile. Die Tiefe des Vorgrundes 
nehmen die drei Jünger ein, welche vor dem himmlischen Glanze nieder- 
gesunken sind. Auf der einen Seite kniet Johannes. innig betend, das 
schöne Haupt geneigt, die Augen geschlossen. In der Mitte ist Jacobus, 
der sich emporrafft, indem er, wie es scheint, Johannes aufzumuntern oder 
ihn um die Bedeutung der überraschenden Erscheinung zu fragen im Be- 
griff ist; 61' Wendet sein Haupt hastig, von heiliger Furcht ergriffen, zu 
den verklärten Gestalten empor. Petrus, auf der andern Seite, sitzt halb 
der Erscheinung zugewandt, hinten übergebeugt, indem er vergebens seine 
Augen gegen den Glanz zu öffnen strebt; er breitet die Hände aus und 
scheint, in kindlich unbewusstem Gefühle der Seligkeit des Momentes, die 
Worte zu sprechen: Herr, hie ist gut sein; willst du, so wollen wir hie drei 
Ilütten machen u. s. w. Um ein weniges hinter den Jüngern, über ihnen 
erhöht, stehen die drei verklärten Gestalten. Christus in der Mitte, dem 
Beschauer gerade entgegen gewandt, den Mantel in schönen Falten um 
das Untergewand geschlagen, breitet die Arme betend empor und blickt 
mit dem Ausdrucke einer hohen Begeisterung vor sich aufwärts. Auf der 
einen Seite steht Moses in ernster Würde, die Gesetztafcln in der Hand; 
auf der andern Elias, der in lebhafter Bewegung anbetend dem Erlöser 
naht. Beide sind dem letzteren zugewandt, ihre Blicke sind auf ihn ge- 
richtet, in seiner Verklärung scheint ihnen das, was sie geahnt und vorver- 
kündet, offenbar zu werden. Das Antlitz Christi erinnert an jene altge- 
heiligten Formen, wie sie die frühere christliche Kunst für die Züge des 
Erlösers ausgeprägt hat; aber die strenge Symmetrie, obgleich das Gesicht 
auch hier gerade von vorn gesehen wird, ist zu einem eigenthümlich 
individuellen Leben durchgebildet. Begas hat schon früher, bei seiner 
Auferstehung Christi (in der Werder-sehen Kirche zu Berlin) diesen Typus 
mit Ernst neu zu beleben gestrcbt; was dort vielleicht noch zu streng er- 
schien, zeigt sich hier aufs Erfreulichste gemildert. 
Das Ganze der Composition ist durchaus bedeutend. Es ist jener vor- 
übergehende Moment aus dem Leben des Erlösers, von dem uns die Schrift 
erzählt, und doch ist eine Würde, eine Feierlichkeit, eine Grösse des Stiles 
darin, welche ihn als einen Vorgang voll des tiefsten Inhaltes, als vorzüg- 
lichäceignet für den Zweck eines Altarbildes erkennen lassen. Die Ge- 
813116111 ihre Bewegung, die Linien ihrer Gewandung verratlien das Gefühl 
für die edelste Raumausfüllung, für das schönste Gleichgewicht der 
Massen und ihrer Gliederung in sich; aber das individuelle Leben, die 
unmittelbare AGUSSßrung dessen, was eine jede einzelne der dargestellten 
Personen bewegt, Alles, was dem Bereiche der Körperlichkeit angehört, 
ist ebenso frei, natürlich und gediegen. Dcr grösste Vorzug indess in 
Bezug auf die künstlerische Ausführung des Gemäldes besteht in der 
Licht- und Luftwirkung des Ganzen, in einer Freiheit und Leichtigkeit
        

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