Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502265
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B erichte, 
Kritiken, 
Erörterungen. 
artigen Motive der Natur sind hier nicht zu einer entsprechenden künst- 
lerischen Wirkung durchgebildet. Die Architektur des Schlosses ist wenig 
bedeutend. die Hauptfacade mit einer Reihe von Säulen im französischen 
Geschmack verziert. Auch über den Garten, in seiner landschaftlichen 
Anordnung, ist wenig zu sagen: nach einigen Blättern zu urtheilen, scheint 
hier der altfranzösische Styl mit den Kunststücken der Gartenscheere und 
dergL, in Anwendung gebracht. Aber den Glanz dieses Styles sieht man 
in der endlosen Menge prunkvoller Wasserkünste, mit denen der Park  
und so auch die grüssere Mehrzahl der vorliegenden Blätter  angefüllt 
ist. Bald sind es Cascadcn, die sich, in sorgfältig gemessenen Abständen, 
schäumend übereinander ergiessen, bald gewaltige Strahlen, die mit Macht 
senkrecht emporgetrieben werden, bald Kreise kleinerer Fontainen vor 
barock ausgeschmückten Nischen u. s. w. Hier erhebt sich aus dem Mit- 
telpunkte des Bassins eine ungeheure glänzende Wassergarbe, dort sind 
aussen und innen Köpfe am Boden angebracht, die in wildem Kampfe die 
Wasserb-ügen gegen einander s'peien. Vornehmlich ist es die Darstellung 
mythologischer Personen (und zwar in einem bedeutend manierirten Style), 
welche die Spiele des Wassers vermitteln hilft. So tragen die drei Gra- 
zien, sammt andern Huldinnen und Unholden die Schale, daraus der 
Springquell emporsteigt; oder es ist. der Triumphzug des Meergottes in wei- 
tem Bassin, welcher die glänzenden Strahlen in die Lüfte sendet. Andro- 
meda sieht man an den Felsen gefesselt, Perseus über ihr hängend und 
gegen den Drachen gewandt, der aus Rachen und Nüstern den Gischt em- 
porspeit. Dann ist ein grossartiger Bau in verwunderliehem Zopfstyl auf- 
gebaut; bunte. spielende, Cascatellen springen zu seinen Seiten herab; 
seltsame Häupter schiessen von oben weite Wasserbögen, wie zur Verthei- 
digung, nieder; und dazwischen baden sich, riesig gross und bronzeschwarz, 
die jungfräuliche Göttin der Jagd und ihre holden Nymphen. Ein andres 
Bassin ist rings von einem Kreise kolossaler Bronzefrösche umgeben, welche 
dicke Wasserstrahlen theils in die Luft, theils gegen den Mittelpunkt hin 
speien, in dessen glitzerndem, hoch verstäubendem Sohaume  wie es die 
Unterschrift des Blattes besagt  Latona verborgen ist. Anderwärts sieht 
man, auf einem emporragenden Felsstüek, einen kolossalen bronzenen 
Hippogryphen und darauf die geflügelte Gestalt der Fama, aus deren Helm, 
statt des Federbusches, ein 150 Fuss hoher Wasserstrahl emporschiesst; 
unter den Hufen des Pferdes stürzt, kopfübergewandt, ein ungefüger Dä- 
mon vom Felsen, während an dessen Fusse, unter dem Ueberhange des 
WHSSGPS, günstigere Gottheiten in bequemer Ruhe liegen. U. s, w. 
Soviel über die bisher erschienenen Lieferungen. Wie es mit der 
Fortsetzung des königlichen Werkes bei den dermaligen Zeitumständen 
sich verhalten möge, wissen wir nicht.
        

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