Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502202
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Kritiken 
Berichte, 
Erörterungen. 
Deutschlands wiederholen, führt Hand in Hand mit diesen dem Publikum 
auch zugleich sein eignes kritisches Blatt zu. Man will die Kunst-Kri- 
tiken nicht mehr allein in den allgemeinen Tage- und Wochenblättern, 
nicht mehr beiläufig neben den Gegenständen der Politik, der Conversa- 
tion, der Literatur, der Mode empfangen; man will das, woran man sich 
mit eignen Augen ergötzt hat, auch in selbständig geschlossenem Raume 
ausgesprochen sehen und so zur fortgesetzten Unterhaltung, zur Schärfung 
des Urtheils, zur bleibenden Erinnerung aufbewahren. Gewiss ist die Er- 
scheinung dieser kleinen Ausstellungsblätter nicht eigentlich auf Rechnung 
derer, die sie schreiben, zu setzen; wäre nicht ein Publikum da, welches 
ein wirkliches Verlangen nach ihnen hätte und dieses Verlangen durch 
den Ankauf der Blätter bestätigte, so würden sie, wie es einmal der Lauf 
der Dinge ist, nicht füglich erscheinen können. Allerdings zwar lässt es 
sich voraussetzen (und es beweist sich im Einzelnen auch durch die That), 
dass nicht alles, was in solcher Weise geschrieben wird, Meisterwerk sei; 
auch würde dergleichen, wenn es nur als eine vereinzelte Erscheinung auf- 
tauchte, nicht eben eine aussergewöhnliche Beachtung verdienen. Dadurch 
aber, dass die Kritiken dieser Art eine so grosse Ausdehnung gewinnen, 
lassen sie sich bereits als ein Organ des Volkes betrachten, heben sie 
durch den Widerspruch des Einen gegen das Andre die Einseitigkeit des 
Urtheils auf und bilden sie ein nicht zu übersehendes Zeugniss über das 
Verhalten des Publikums zu der neu emporstrebenden Kunst. Möchten 
es sich doch die Bibliotheken, sowie die Privat-Sammler literarischer 
Ephemeren, angelcgen sein lassen, auch von diesen flüchtigen Erscheinun- 
gen möglichst vollständige Sammlungen anzulegen! Gegenwärtig wird 
dies noch mit leichter Mühe möglich sein; in zehn oder zwanzig Jahren, 
wenn diese merkwürdige Ausstellungsperiode vorübergegangen ist (und sie 
wird und muss , als eine nur vermittelnde Erscheinung, vorübergehen) 
dürfte es seine bedeutenden Schwierigkeiten haben; aber erst dann wird 
man den Werth, alles Geschriebene der Art in durchgreifender Uebersicht 
vor sich zu sehen, vollständig beurtheilen können. 
Unter den neuen Erscheinungen, welche uns so eben vorliegen, er- 
wähnen wir zuerst der HannoverschenKunstblätter für 1837 (10 
Nummern, 40 S. in gross  Diese Blätter sind nicht eine Fortsetzung 
der von Osterwald für die beiden vorangegangenen Jahre herausgegebenen 
Blätter gleiches Namens, welche sich durch ihre, mit der Feder gezeich- 
neten Skizzen der bedeutendsten unter den besprochenen Bildern vor 
allen bisherigen Unternehmungen der Art ausgezeichnet haben; sie sind 
als "Extrablätter" der von G. Harrys redigirten „Posaune" erschienen. 
Sie besprechen in rnannigfachcr Weise die Erscheinungen der diesjährigen 
hannoverschen Ausstellung, die sich, wie die früheren, durch einen nam- 
haften Reichthum an Bildern aus München auszeichnete. An Düsseldor- 
fern findet sich dabei jedoch ebenfalls kein Mangel; mehr an Berlinern, 
Dresdnern u. s. w., dagegen Holland und Frankreich diesmal in anziehen- 
der Weise beigesteuert hatten. Für die fehlenden Umrisszeichnungen, die 
man nicht gern vermisst, werden ausführliche Biographieen vaterländischer 
Künstler mitgetheilt, wofür dem Redacteur besonders Dank zu sagen ist. 
Unter diesen begegnet uns zuerst Carl Oesterley, geb. 1805 zu Göttin- 
gen; daselbst von 1821 bis 24 studirend und zum Doctor promovirt; 1824 
bis 27 in Dresden künstlerischen Studien obliegend; 1827 bis 29 in Italien 
thätig; dann nach Göttingen zilrückkehrend, als Privatdocent, seit 1831
        

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