Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502174
aus Spanien. 
Erinnerungen 
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Doch haben wir uns bei den, dem Raume nach mehr untergeordneten 
Theilen des Werkes vielleicht schon zu lange aufgehalten; es ist nöthig, 
dass wir auch auf dasjenige, worin sein eigenthümlichstes Verdienst be- 
steht, einen Blick werfen, auf die Darstellungen spanischen Lebens und 
nationaler Sitte. Hier stellt sich dem Beschauer eine reiche Folge von 
Genrebildern vor, die, wie sie mit Lebendigkeit in das fremde Lokal ein- 
führen, so sich nicht minder in wohlgefälliger Weise zum künstlerischen 
Ganzen abrunden. Von den Mönchen vor der Pforte der Kathßdwlß V01! 
Cordova haben wir bereits gesprochen. Die Geistlichkeit bildet (oder 
müssen wir heutiges Tages etwa schon sagen „bildete"?) ein sehr bedeu- 
tendes Ingrediens im spanischen Leben, und socbegegnen wir den Personen 
ihres Standes noch mehrfach in den vorliegenden Blättern. S0 gleich zu 
Anfang des Werkes (B1. 2), wo zwei von ihnen als Reisende vor dem 
alten arabischen Thore von Alcala la real halten; der eine hager, nach- 
denklich, im Dominikaner-Habit, sitzt auf einem reich behängten Maul- 
thiere; der andre, ein Franziskaner, wohlbeleibt und lebhaft, frägt einen 
herzutretenden Jägersmann nach der Herberge, während ein mit einer 
Decke bekleideter Knabe bettelud sein Mützchen hinstreckt; beide Mönche 
mit den langen, seitwärts aufgekrämpten Sonnenhüten bedeckt.  Zwei 
andre Mönche, einem gemeinsamen Orden angehörend , aber in gleichem 
Contrast der Persönlichkeit sehen wir auf Blatt 14, am Strande von Ma- 
laga; sie sprechen mit einem wohlgeputzten Reiter, dessen Kleidung die 
kecke Würde eines Majo verräth, und der seine Maja, nicht minder zier- 
lich kostümirt, neben sich sitzen hat. Ein altes Tabernakel zur Seite, ein 
Klosterbau im Hintergrunde charakterisiren die interessante Lokalität.  
Majo und Maja, den Glanz des Volkslebens bezeichnend, finden wir auf 
Blatt 17 wieder, wo sie, die Castagnetteu schwingend, lebhaft und keck 
bewegt, den Bolero tanzen. Zuschauendes Personal zur Seite; darunter 
ein Mönch vornehmeren Ordens und ein Knäbchen im Franziskanerhabit, 
der seinen Hampelmann ebenfalls zum Tanze aufzieht.  Saumthiere, mit 
schweren Waarenballen bepackt, mit Quasten, Schellen und Glöckchen 
behängt, ziehen auf B1. 4 an uns vorüber; es ist eine der wilden, unfahr- 
baren Strassen in der Sierra Morena; auf dem einen Thiere sitzt der Führer 
des Zuges, der sich in fröhlichem Gespräche zu seinem Mitreisenden, einem 
älteren, in den Mantel gehüllten Reiter, zurückwendet. Schiessgewehre 
deuten auf die Sorge für die Sicherheit des Zuges, ein Kreuz am Wege, 
mit dem Namen eines Erschlagenen, auf die Nothwendigkeit dieser Vor- 
sicht.  Den Räuber selbst führt uns B]. 7 vor; es ist der berühmte Jose 
Mafia, in der Majolllracht auf stolzern andalusischem Bosse sitzend, zwei 
bewailnßle Gesellen zur Seite. Hier jedoch ist nichts mehr von ihm zu 
fürchten, da uns der erklärende Text belehrt, dass er durch einen Con- 
ifäfCt mit der Regierung sich bewogen gefunden hat, sein früheres Leben 
1111i dem entgegengesetzten Geschäft eines Wächters der Strassen zu ver- 
tauschen.  Das Gewerbe des Räubers und des Contrebandistcn sind nahe 
verwandt; auf B]. 3 sehen wir einen solchen vor einer valcnzianer Venta 
(Wirthshaus) sitzen, sein schwer bepacktes Boss neben ihm; er spricht mit 
den Leuten des Hauses, die sich durch ihre einfache Tracht und durch ihr 
rnönchs-artig geschorenes Haupthaar von den andern Provinzen wesentlich 
unterscheiden. Eine zweite Venta desselben Landes mit mancherlei bäuer- 
lichem Volk ist auf Blatt 18 dargestellt.  Noch andre Blättelführen uns 
in das Treiben des Landbewohners ein. So Blatt 8, das Dreschen des
        

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