Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502168
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Berichte, 
Erörterungen. 
Kritiken, 
Zu den älteren Werken christlicher Architektur gehört ausserdem der 
Kreuzgang von St. Paul in Barcellona (Vignette im Text), der an die 
zierlich byzantinischen Kreuzgänge nordischer Architektur erinnert; die 
Bögen, welche die nach der Tiefe gekuppelten Säulchen verbinden, sind 
der bekannten, gebrochenen, halbrosetten-artigen Bogenform auf gewisse 
Weise ähnlich. Doch darf hier von Bögen eigentlich nicht die Rede sein, 
da die Steine horizontal übereinander liegen und sich nur  jenem ur- 
ältesten Ueberdeckungsprincip analog  kragsteinartig tragen; auch ist 
hiedurch die ebenerwähnte rosetten-artige Form nicht unwesentlich mo- 
dificirt.  Mehrere Blätter sind den Beispielen gothischer Architektur ge- 
widmet; drei der bedeutendsten von ihnen führen uns aber nicht die An- 
sichten ganzer Gebäude, sondern nur einzelner Theile, und zwar oberer 
Bekrönungen derselben, vor; es ist interessant, hierin detaillirte Beispiele 
von dem besonderen Formengefühle der spanisch-gothischen Kunst vor 
sich zu sehen. Von der nordischen unterscheidet sich letztere, wie es 
scheint,  und wie es überhaupt bei den südlich-gothischen Gebäuden 
gefunden wird,  durch das Vorherrschen der Horizontallinie, oder viel- 
mehr durch eine bestimmt begränzte Einrahmung der bewegteren Formen 
dieses Baustyles; dagegen sind die Details in einer eigenthümlichen Weich- 
heit und Fülle gebildet, ohne die Schärfe der deutschen und ohne die 
Nachahmungen antiker Formen, welche letzteren im Italienischen oft stö- 
rend hineintreten, sondern mehr in einer gewissen leisen I-linneigung zu 
dem schwungvollen Charakter der eingewanderten orientalischen Kunst. 
Das erste dieser drei Blätter (T. 1), gehört dem Rathhause von Barcellona 
an; das zweite (T. 11) der Börse von Valenzia, welche von Jacob von 
Arragon im dreizehnten Jahrhundert erbaut und um 1480 durch Ferdinand 
den Katholischen restaurirt wurde; eigenthümlich macht es sich bei letz- 
terer, wie die, in geringen Abständen angeordneten gothischen Spitz-Pfeiler 
zwar, dem Style gemäss, über das I-Iauptgesims emporragen, aber doch 
nur an breitere, zinnen-artige und in Kronen ausgehende Maucrstücke an- 
lehnen. Das dritte Blatt (T. 16) giebt einen Theil der Chorverzierungen 
an der Kirche de los Reyes in Toledo. Diese Kirche wurde, während 
König Ferdinand die Mauren bekriegtc, von der Königin Isabella in Folge 
eines Gelübdes für den glücklichen Erfolg des Krieges, und zwar in den 
Jahren 1494-1498 erbaut, wie die Chronik des Gebäudes besagt, welche 
auf einem an allen Hauptmauern desselben fortlaufenden Schriftbande in 
eastilischer und lateinischer Sprache enthalten ist. Die mitgetheilte De- 
koration ist in prachtvollem, spätgothischem Style ausgeführt: Feld an Feld 
nebeneinander, und durch Heiligen-Statuen geschieden, sieht man kolossale 
Adler, welche das rastilische Wappen tragen, das unlerwärts durch Löwen 
vertheidigt wird und zu dessen Seiten überall ein Joch und ein Bündel 
Pfeile (Symbole der Stärke und Eintracht) befindlich sind.  Sodann ist 
hier noch der Hof der Kathedrale von Sevilla (T. 20) zu erwähnen, wel- 
cher auf der einen Seite einen Flügel der Kathedrale. unvollendet, im 
barock gothischen Style, und daneben den älteren Glockenthurm zeigt. 
Dieser ist, mit Ausnahme des oberen Aufsatzes, wiederum noch ein 
zierlich arabisches Werk und führt auch noch gegenwärtig den arabischen 
Namen „la Giralda",  die Stolze. Eine Schlussvignette endlich giebt ein 
Bild des Quai's von Sevilla am Guadalquivir, mit dem mächtigen „T0rre 
del oro", dem Thurm, in welchem das erste, von Columbus aus Amerika 
eingeführte Gold aufbewahrt wurde, und mit der Kathedrale in der Ferne.
        

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