Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502130
3118 
Erinnerungen 
S panien. 
245 
Zur Rechten steht ein mit weissen Stieren bespannter Wagen, zu dem 
Jungfrauen die Gerben hinaufreichen, die.ein Jüngling empfängt; ein and_ 
rer, der Führer des Wagens, lehnt sich an den einen der Stiere. In der 
Mitte ist ein breit gewölbter Baum. welcher kühlen Schatten verbreitet; 
darunter sitzt ein Mann, die Sichel schärfend; neben ihm drei Mädchen, 
die eine leis schlummernd, die andre einen Kornblumenkranz windend; 
die dritte reicht einem Jünglinge, der nebst zwei andern in fröhlichem 
Gespräche hinter den Mädchen steht, einen Becher. Die ganze Mittelgruppe 
ist im Schatten, während die Seitengruppen hell von der Sonne beleuch- 
tet werden; hiedurch sondern sich die Hauptmassen und Sgenen der Hand- 
lung auf eine klar ersichtliche Weise von einander und geben dem reichen, 
mannigfach bewegten Ganzen eine angenehme Ruhe, ein wohl übereinstim- 
mendes Verhältniss für das Auge. ln tieferer Ferne erblickt man noch 
andre Schaaren von Schnittern, und als Begrenzung des Horizontes einen 
blauen Bergzug, der Sich gegen den klarsten Himmel erhebt. Das Gefühl 
von Anmuth und Kraft, welche die Arbeit zum erheiternden Spiele umge- 
stalten, weht durch das ganze Bild; bei den kleinen Dimensionen dessel- 
ben sind die zahlreichen Figuren, die sich im lieblichsten Wechsel hin 
und wieder bewegen, in gleichmässiger Zartheit ausgeführt; so wird es 
dem Gemälde nirgend an Freunden und Bewunderern fehlen. 
Erinnerungen aus Spanien von Wilh. Gail. Nach der Natur und 
auf Stein gezeichnete Skizzen aus dem Leben in den Provinzen Catalonien, 
Valenzia, Andalusien, Granada und Castilien, mit Fragmenten maurischer 
und altspanischer Architektur und Veduten, nebst erläuternden Auszügen 
aus dem Tagebuche des Herausgebers. München, literarisch artistische 
Anstalt. F01. 
(Museum 
1837, 
22 
Wir besitzen bereits manch ein mehr oder minder umfangreiches 
Prachtwerk, welches uns landschaftliche Ansichten und Darstellungen der 
architektonischen Monumente Spaniens verführt; aber das eigenthümliche 
Leben, der Charakter und die Sitte des spanischen Volkes ist bisher 
noch nicht in genügender Weise bildlich dargestellt worden, und wo sich 
dergleichen vereinzelt vorfrndet, da bemerkt man in der Regel, dass mehr 
nur die äusseren Formalitäten der Kostüme und Gebräuche, als die inner- 
lich nationellen und provinziellen Eigenthümlichkeiten der Menschen auf- 
gefasst Sind. Hierin besteht der wesentliche Vorzug des oben angeführten 
Werkes vor allen uns bisher bekannt gewordenen. Es führt uns unmittel- 
bar in das Leben und Treiben des Volkes ein und bildet mit Geist, aber 
auch mit Unbefangenheit und Treue die Erscheinungen des Lebens nach. 
Es trägt durchaus den Stempel einer freien, objectiven Auffassung, und die 
leichte Ausführung der Blätter, welche der Herausgeber selbst nur als 
,Skizzen" bezeichnet, weiss doch überall in Gestaltung, Geberde und 
Physiognomie, im Verkehr des Einzelnen unter denUmgebung, welche 
aus Gewohnheit und Bedürfniss hervorgegangen ist, 1D den Andeutungen 
der klimatischen Verhältnisse das Bedeutende und Entscheidende genügend 

        

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