Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502124
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Berichte, 
Kritiken, Erörterungen. 
Flut hinabschaut, in welcher eine leis angedeutete Gestalt ihm den zaub- 
rischen Ring seiner geliebten Gemahlin zeigt. Die Gestalt des Kaisers ist 
voll tiefer, gedankenhafter Ruhe, das Motiv der Stellung bedeutend ent- 
wickelt und durch grossartigen Faltenwurf hervorgehoben. Lässt sich auch 
nicht ganz die Abkunft dieses Kaisers von dem "trauernden Königspaar" 
verläugnen, so sind wir doch nicht gewillt, dies hier als einen Vorwurf 
auszusprechen; wir freuen uns vielmehr, dass ein so grossartig angeschla- 
gener Klang, wie in Lessingls Meisterwerk, hier am wohl geeigneten Orte 
und für ein bereitwilliges Publikum noch einmal nachtönt.    
Bei dieser Gelegenheit gedenken wir auch des "Festkalenders in Bil- 
dern und Liedern, geistlich und weltlich, von F. G. v. Pocci, G. Gör- 
res und ihren Freunden", davon bereits zwei vollständige Theile vor uns 
liegen. Der Festkalender ist eigentlich als ein Volksbuch für das katho- 
lische Deutschland zu betrachten und in der That in solcher Weise ausser- 
ordentlich, bcsonders in Bayern, verbreitet, so dass der erste Theil schon 
zum zweiten Mal aufgelegt ist. Es sind Gedichte, mit leichten Rand- 
zeichnungen geschmückt. Die Randzeichnungen (grösseren Theils von dem 
Gr. v. Pocci) sind in ganz volksthümlichcr Weise ausgeführt, holzschnitt- 
artig, ohne zumeist Anspruch auf höheres Kunstverdienst zu machen; da- 
bei aber liegt ihnen ein gesundes, schlichtes Gefühl zu Grunde, welches 
im Ernsten, wie im Humoristischen seinen Eindruck auf das unbefangene 
Gemüth keineswegs verfehlt. Hier zeigt es sich zugleich recht, wie  bei 
gewissen, geringeren Ansprüchen  Wort und Bild in treftlicher Ergän- 
zung zu einander stehen, eins die Wirkung des andern heben und steigern 
könne. Uebrigens haben auch einige vorzügliche Meister Theil an diesen 
Randzeichnungen, wie z. B. Kaulbach zwei anmuthvolle Zeichnungen 
geliefert hat, eine andre von L. Wolf, noch andre von, zum Theil unge- 
nannten Künstlern gefertigt sind. 
Malerei. 
Berlin. 
(Museum 
1837, 
Im Atelier des Herrn Professor von_ Klöber sahen wir jüngst ein so 
eben vollendetes Gemälde des Künstlers, welches eine Ernte darstellt. E3 
ist von länglichem Format, beinahe 1 Fuss hoch und etwa 4 Fuss breit; 
es stellt das frische heitre Leben eines jugendlichen Volkes dar. welches 
den Segen der Natur mit rüstiger Freude entgegennimmt; das Kostüm er- 
innert, wie die Landschaft, an südliches Lokal und gegenwärtige Zustände, 
aber es ist auf eine durchaus nngesuchte Weise dem Idealen angenähert, 
vornehmlich dadurch, dass viele der dargestellten Jünglinge die in der 
Hitze lästigen Oberkleider von sich geworfen haben und dem Beschauer 
den Anblick schöner, freibewegter Körperformen darbieten. Das Ganze 
zerfällt in drei Haupttheile. Zur Linken sieht man, ziemlich tief ins Bild 
hinein, eine Reihe eifriger Schnitter, welche das Korn mit den Sicheln 
abschneiden; im Vorgrund wird dasselbe zu Garben zusammengebunden.
        

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