Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502104
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungan. 
solchergestalt die Statue in ihren allgemeineren Beziehungen zunächst den 
äusseren Sinn in wohlgefalliger Weise berührt, so fesselt sie auch bei län- 
gerer Betrachtung durch ihre eigenthümlich charaktervolle Durchbildung. 
Form und Bewegung gehören nicht bloss den allgemeinen Gesetzen der 
Schönheit an, sie tragen zugleich das Gepräge einer bestimmten, in sich 
abgeschlossnen Persönlichkeit: sie geben ein lebenvolles Bild jenes Königs- 
sohnes, der kräftig und keck zu gewagten Abenteuern auszuziehen und 
siegreich den Preis der Schönheit zu gewinnen wusste. Seine Glieder, in 
einer elastischen Spannung, zeigen die edelste Ausbildung, aber sie ver- 
mählen sich zugleich mit einer zarten Weichheit, einer Fülle der Formen, 
welche aufs Entschiedenste den Charakter des anmuthvollsten Helden er- 
kennen lassen würde, auch wenn er hier seine gewöhnliche Bezeichnung, 
die phrygische Mütze, nicht trüge. Diese mit meisterhafter Sicherheit 
durchgeführte Verbindung von Kraft und Zartheit, von rüstiger Keckheit 
und weichem Verlangen, die klare Schönheit des Ganzen, geben der Statue 
höchst rühmliche Vorzüge und erwecken den lebhaften Wunsch, ein so 
reitlich durchdachtes und so gediegen gearbeitetes Werk in dem edleren 
Stoffe des Marmors ausgeführt zu sehen.  
Vor Kurzem hatten wir Gelegenheit, zwei interessante Statuen von der 
Hand eines Künstlers von München, F. Schönlaub, welche sich im Be- 
sitz eines Kunstfreundes zu Berlin befinden, zu sehen. Es sind zwei Engel, 
beide etwas über 4 Fuss hoch und in Gyps gearbeitet; eiujeder von ihnen 
hält einen hohen, kandelaberartigen Stab, als 'l'räger einer Kerze, in den 
Händen, wodurch sich die kirchliche Bestimmung der Figuren ergiebt. Sie 
sind in lange, faltige und einfach gegürtete Gewande gekleidet, deren 
Säume reich mit vergoldeten Ornamenten geschmückt sind, was ihnen ein 
schönes, eigenthümlich feierliches Gepräge gewährt. Der Styl beider Figu- 
ren bewegt sich in jener schlichten frommen Weise, welche besonders den 
Freunden von Eberhards Arbeiten (denen die in Rede stehenden über- 
haupt verwandt erscheinen) so sehr werth ist. Die stille Anmuth und 
Reinheit der Formen, die einfache Klarheit des Faltenwurfes, der zarte 
gemüthvolle Ausdruck der Köpfe, vornehmlich die milde Demuth des einen 
Engels, welcher niederwärts blickt, üben auf den Beschaner einen tiefen, 
innerlich wohlthuenden und beruhigenden Eindruck aus. Gewiss würden 
diese Figuren einer jeden Kirche zur wehrhaften Zierde gereichen; wir 
sind überzeugt, dass sie, wenn das hiesige grössere Publikum Gelegenheit 
hätte, sie näher kennen zu lernen, auch für die Kirchen unsrer Gegenden 
mannigfach gesucht werden dürften. 
Bild 
llll 
Worte. 
(Museum 
1837, 
Das Wohlgefallen an einer künstlerischen Ausstattung literarischer 
Werke verbreitet sich von Tage zu Tage mehr, und es gehen manche 
beachtenswerthe Erscheinungen daraus hervor. Die Phantasie verlangt zu
        

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