Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499885
Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungen. 
sen", matt, besonders wenn man es mit Führich's ausgezeichnet schöner 
Darstellung dieses Momentes vergleicht. Doch ist auch hier vieles Vor- 
treffliche, namentlich wenn der Gegenstand selbst eine phantastische Auf- 
fassung erlaubte, oder wenn der Künstler im Stande war, ihn wiederum 
arabeskenartig dem gegebenen Raume anzuschliessen. Wir erwähnen hier 
u. A. des schönen Schlussbildes zu Schillefs Taucher, welches auf dem 
Grunde des Meeres den todten Jüngling, den Becher in seiner Rechten. 
darstellt, von widerwärtigem Seegewürme umschlungen und angestaunt. 
Gar lieblich und sinnreich dünkt uns auch das Schlussbild zu dem Ge- 
dichte: die Mutter am Christabend, wo die Darstellung des Kinderfestes 
auf's Anmuthigste in die Arabeske verflochten ist. 
Noch näher in das Einzelne einzugehen, erlaubt hier weder der Raum, 
noch möchten sich diese fröhlichen Spiele der Phantasie genügend mit Wor- 
ten wiedergeben lassen. Schliesslich aber wollen wir nicht mit dem Künst- 
ler rechten, dass er, statt die zartere Radirnadel anzuwenden, es vorgezogen 
hat, seine Compositionen mit der Feder auf Stein zu zeichnen, was zwar 
wohlfeiler, wodurch uns aber auch manche Feinheit des Ausdruckes ver- 
loren gegangen ist. Doch scheint wenigstens das wünschenswerth, dass 
diese Gegenstände gleich von vorn herein in Gestalt eines Buches in die 
Welt kommen möchten, statt auf einzelnen. nur auf einer Seite bedruckten 
Blättern; hiedurch würde zugleich der Uebelstand gehoben, dass ganze 
Gedichte, deren erste Strophe nur eine Randzeichnung erhielt, von geson- 
derten, zuweilen gänzlich unverzierten Blättern nachgeschleppt werden 
müssen. 
Auf alle Fälle aber bleibt dem wackern Künstler noch ein reicher 
Steif zu seinen Darstellungen übrig; vielleicht versucht er es einmal mit 
der Ausschmückung eines grösseren Ganzen. Wie im Kleinen Lied oder 
Romanze, so dürfte im Grossen das Mährchen der willkommenste Gegen- 
stand sein; unerschöpflich ist der Reichthum unsrer Volksmährchen, Treff- 
lichstes von einzelnen Dichtern geliefert,  wir erinnern nur an Novalis 
ilberaus anmuthiges Mährchen von Rosenblüthchen und l-lyacinth, das fast 
schon in seinen Worten wie eine Arabeske anzuschauen ist. 
Die Arabeske aber ist das Mährehen der bildenden Kunst. 
Die G eschich te von den sieben Sch w aben, mit zehn lithographirten 
Darstellungen. Stuttgart, Fr. Brodhagsche Buchhandlung. 1832. in 4. 
(Museum 
1833, 
Wenn es seit dem Ambrosianisehen Codex des Homer und seit dem 
Vaticanigqhgn des Virgi] nicht an tüchtigen Künstlern gefehlt hat, welche 
das klassische Epos mit mehr oder minder klassischen Bildern zu ver- 
zieren betlissen waren, so haben sich neuerdings, mit der neuer-wachten 
Liebe zur Vorzeit unsres Volkes, die Bestrebungen der Kunst nicht minder 
anch dem nationalen Epos zugewandt und auch auf diesem Felde die 
reichsten Kränze gewunden. Dass Namen, wie Siegfried und Chriemhild,
        

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