Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1502028
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Kritiken, 
Berichte, 
Erörterungen . 
Schwanthaler zu München als Modelle der für die Pinakothek bestimm- 
ten Statuen gefertigt sind. Auch diese meisterhaften Arbeiten dürften, bei 
einer weitem Verbreitung, gewiss für den Privatbesitz von Seiten der 
Kunstfreunde eifrig gesucht werden- 
Ueber 
geschichtliche 
Compositionen. 
(Museum 
1837, 
101 
Die künstlerische Behandlung geschichtlicher Stoffe hat bedeutende 
Schwierigkeiten, zumal wenn durch eine Reihenfolge von Bildern die 
Hanptmomente im Leben eines Staates oder Volkes vorgeführt werden 
sollen. Diejenigen Begebenheiten, an welche in den Jahrbüchern der Ge- 
schichte die Charakteristik der einzelnen Epochen vorzugsweise angeknüpft 
wird und welche sich bisher zumeist einer künstlerischen Darstellung 
erfreuten, sind nur zu häufig von einer Beschaffenheit, dass sie ungleich 
mehr eine äusserliche Repräsentation (einen zumeist symbolischen Akt) ent- 
halten, als sie den inneren, lebendigen und wirkenden Geist der geschicht- 
lichen Epochen, aus denen sie hervorgegangen, zu vergegenwärtigen dienen. 
Ein Beispiel, in Bezug auf den weiter unten zu besprechenden Gegenstand, 
möge dies deutlich machen. Die Belehnung des Kurfürsten Friedrich I. 
von Hohenzollern mit der Mark Brandenburg bildet einen der wichtigsten 
Punkte in der brandenburgischen Geschichte, und allerdings eignet sie 
sich im Allgemeinen ganz wohl zu einer bildlichen Darstellung: ihre 
historische Bedeutung aber beruht auf keine Weise in ihr selbst, sondern 
in ihren Ursachen und ferneren Folgen, die natürlich ein Bild nicht vor- 
führen kann; eine Darstellung dieser politischen Förmlichkeit wird somit 
weder von den Einwirkungen des Kurfürsten auf seine Zeit, noch von 
seiner Persönlichkeit oder von den Elementen, die ihm feindlich gegen- 
üherstanden und die er besiegt hat, eine Anschauung hervorzurufen ver- 
mögen. Sucht man dagegen nach irgend einem prägnanten Momente etwa 
der Art und Weise, wie Kurfürst Friedrich I. dem zerrütteten Lande 
Frieden und Gesetz zurückbrachte, die Rebellen bändigte und hiedurch 
den Grund zu einer neuen Zeit legte, so wird ein solcher die günstigste 
Gelegenheit geben, auch in bildlicher Darstellung von der geschichtlichen 
Bedeutung dieses grossen Mannes einen auf Sinn und Gemüth wirkenden 
Eindruck hervorzubringen. Für künstlerische Behandlung der Geschichte 
sind ebenso, wie für die poetische Behandlung derselben, die ethischen 
Momente ins Auge zu fassen, diejenigen, in welchen das einzelne Indivi- 
duum mit seiner hervorragenden Geisteskraft in die Interessen der Zeit 
hineingreift, um dieselben zu grossen Zwecken umzugestalten oder um im 
tragischen Kampfe gegen sie unterzugehen; in solchen Momenten wird 
sich überall ein für die Gesetze der bildlichen Darstellung geeigneter 
Punkt auffinden  oder, wenn die geschriebene Geschichte (wie freilich 
sehr häufig) nur allgemeinere Umrisse vorlegt, aus letzteren, kraft der 
künstlerischen Divination, erfinden lassen. Freilich hat das, wie gesagt,
        

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