Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501994
Kunst zum Leben. 
die gegenwärtigen Verhältnisse der 
Ueber 
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Neues anreiht. Ich meine jene Gedächtnissstatuen berühmter Männer, 
welche hier und dort durch einzelne Kreise begeisterter Verehrer, durch 
freiwilliges Zusammentreten zu rühmlichem Zwecke, errichtet werden 
Hierin spricht sich in der That schon. die weitere Verbreitung jener Ge- 
sinnung aus, dass man überhaupt monumentaler Werke zur würdigen Aus- 
füllung des Lebens bedürfe und dass man eine künstlerische, d. h. in sich 
vollendete und abgeschlossene Gestaltung dieser Werke anerkenne. Frei- 
lich handelt es sich hier nur um eine einzelne Richtung monumentaler 
Kunst, aber wenn der Sinn wirklich für das Eine erwacht ist, so dürfen 
wir auch wohl deriioilnung leben, dass er weiter um sich blicken und 
allmälig auch das Nähere und Fernere mit in den Kreis dieses Bedürf- 
nisses hineinziehen werde. 
Mit der Malerei sieht es für diesen Augenblick freilich weniger gün- 
stig aus. Wenn wir einige wenige Altarblätter, die durch die Regierun- 
gen, durch kirchliche Gemeinden oder durch begüterte Privatleute gestiftet 
worden sind, ausnehmen, so finden wir kaum noch andre Bestrebungen, 
die auf die Beschaffenheit monumentaler Gemälde hinausgingen. Und doch 
ist die Malerei, die dem Gefühle des Menschen fast vor Allen am näch- 
sten steht, gerade am nächsten geeignet, seinen Sinn auf eine höhere 
Richtung zu leiten, ihm in der verständlichsten Sprache die höheren In- 
teressen des Lebens gegenüberzuführen! Und doch ist für sie gerade aller 
Orten die günstigste Gelegenheit zur Behandlung dieser höheren Interessen 
gegeben! Blicken wir in die frühere Blüthezeit der Kunst zurück, wie trat 
dort überall in jene Orte, an welchen die Verhältnisse des öffentlichen 
Lebens sich concentrirten, die Kunst der Malerei verschönernd, belebend, 
beruhigend und würdigend hinein! Und sollten wir denn so ganz unem- 
pfindlich gegen die hohen Vortheile sein, welche aus einer solchen Um- 
gebung hervorgehen müssen? Vor Zeiten gab es kein Rathhaus, in welchem 
nicht Zeugnisse männlicher Tugend, strengen Rechtes, göttlicher Ordnung 
von den Wänden zu dem Beschauer sprachen; wir aber begnügen uns in 
den Sitzungszimmern unsrer Behörden mit den öden Wänden, als ob wir 
jener edlen Mahnungen nicht mehr bedurften. Die Innungen und Zünfte, 
welcher Art sie sein mochten, setzten einen Stolz darin, sich bei ihren 
Versammlungen von den würdigsten Gestalten und Ereignissen, die zur 
Nachfolge anspornen konnten, umgeben zu sehen; unsre freien Gesellschaften 
und Vereine (die an die Stelle jener getreten sind) verschmähen das schöne 
Band, welches in jenen Bildern gewoben war. Und gerade in diesem 
Verhältuiss könnte der Kunst ein Feld gewonnen werden, welches der 
glücklichsten Bestellung sicher sein würde. Wie mannigfaltig sind die 
Vereine, die sich zu unsrer Zeit gebildet haben, und wie umfassend könn- 
ten die Gegenstände sein, welche sie zum Schmuck ihrer Versammlungs- 
orte dem Künstler darbieten dürften!  So bauen wir auch wohl, wie 
du? Vßrleit, noch Hallen zum Schmuck öffentlicher Orte, zur Bequemlich- 
kßli des Handels und Wandels, aber vergebens suchen wir nach den Bil- 
dem der GYOSSthS-lcn unsres Volkes, welche dort mit redender Zunge zum 
Volke sprechen könnten, 
Und IIIISYG Kifßhßn!  Aller Gipfelpunkt der Kunst vereinte sich zu 
allen Zeiten mit den religiösen Bedürfnissen und Verhältnissen des Lebens. 
Das höchste Kunstwerk entstand stets nur da, wo der höchste Inhalt, der 
religiöse Glaube, behandelt ward, und es diente ebensosehr dazu, diesem 
Inhalt die nöthigc, würdig entprechende äussere Gestalt zu geben. Aber
        

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