Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501977
Ueber 
die 
gegenwärtigen 
Verhältnisse 
Kunst zum 
der 
Leben. 
229 
volle allegorische Figuren in Bezug auf diese Geschichte, andern Thejls 
eine grosse Reihenfolge berühmter italienischer Gegenden von Rottmann 
dargestellt, denensich Ansichten des griechischen Landes, welches mit 
Bayern in so naher Beziehung steht, anreihen werden. Das alte Isar-Thor, 
ein Denkmal aus den mittelalterlichen Zuständen der Stadt, ist mit einem 
grossen Freskogemälde von Neher, den siegreichen Einzug Ludwig's des 
Bayern, eine der schönsten Erinnerungen aus der bayrischen Geschichte, 
darstellend, geschmückt.  Die Zunge des Erzählers ermüdet, indem sie 
all diese, mehr oder minder tief bedeutsamen Gegenstände, welche der 
künstlerischen Darstellung dargeboten wurden und denen sich ausserhalb 
Münchens noch so mannigfach Wichtiges anschliesst, aufzuführen bemüht 
ist. Möge es hier genügen, nur tlüchtigst an das Umfassendste erinnert 
zu haben. 
Wenden wir uns von diesen Unternehmungen, welche mehr als alles 
bisher Berührte geeignet sein dürften, die Kunst unsrer Zeit dem schönsten 
Punkte ihrer Entfaltung entgegenznführen, nunmehr zu dem Verhältniss, 
in dem sie zu den allgemeinen Interessen der Gegenwart stehen!  Die 
Frage, die sich hiebei zunächst aufdrängt, inwiefern sie nemlich aus all- 
gemein vorhandenen Bedürfnissen und Gefühlen hervorgegangen sind , kann, 
wie es scheint, als ziemlich überflüssig, unberücksichtigt bleiben. Die 
Existenz dieser Kunstwerke, ihre innere Bedeutsamkeit, der Umstand, dass 
sie von einem Theile der vorzüglichsten Künstler, welche Deutschland 
besitzt, ausgeführt sind,  dürfte eine mehr als genügende Antwort auf 
eine solche Frage abgeben. Ihre Gültigkeit beruht vor Allem, wie die 
eines jeden grossartigen Kunstwerkes, in ihnen selber. Wohl aber dürfte 
eine zweite Frage schärfer ins Auge zu fassen sein: die nemlich, ob nun 
diese Kunst-Unternehmungen vermögend sein werden, der deutschen Kunst 
im weiteren Umkreise ihre monumentale Würde wiederzugeben, die Noth- 
wendigkeit der letzteren  wenn es sich um die höheren Interessen des 
Lebens handelt  klar und folgerecht herauszustellen, und somit den 
Sinn des Volkes auf diese künstlerische Gestaltung seiner höheren Interessen 
mit Ueberzeugung hinüberzuleiten. 
Es liegt in der Natur der Sache, dass eine so bedeutende Erscheinung 
nicht ohne weitere Wirkung vorübergehen kann. Schon die Darlegung 
der Möglichkeit, dass unsre Zeit allerdings monumentaler Erzeugnisse eines 
solchen Umfanges fähig sei, und eine Darlegung so glänzender Art, wie 
es hier der Fall ist, muss in hohem Grade auf das Gemüth des Betrach- 
tenden einwirken, muss auch dem Ausländer den Wunsch nach ähnlichen 
Besitzthümern tief und lebendig einprägen. Sodann ist in diesen Unter- 
nehmungen zugleich eine Schule für die monumentale Kunst eröffnet, wie 
wir sie seit langer Zeit nicht vor uns gesehen haben. Das Anschauen 
früherer Werke nützt in diesem Betracht nur wenig, da ihr Inhalt eben 
nicht mehr den Bedürfnissen der Gegenwart entspricht: dagegen hier eines 
Thells eine neue, selbständige Uebung in der Behandlung der mannigfach- 
sten, dem modernen Leben angemessenen Stoffe uns entgegentritt, andern 
Theils die verschiednen technischen Bedingnisse grossräumiger Kunst in 
der erschöpfendsten Weise neu ergründet und ausgeführt werden. Aber 
Alles dies deutet doch nur mehr darauf hin, dass die Mittel vorhanden 
sind, monumentale Werke auch anderweitig in würdiger Weise durchzu- 
führen, nicht aber, dass auch bereits das Begehren nach solchen in die 
ftffnefcn Kreise des Lebens fühlbar eingedrungen ist. Die Kunst-Unter-
        

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