Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501927
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Verhältnisse der Kunst zum Leben. 
die gegenwärtigen 
Ueber 
der Vergangenheit. Freilich, Originalwerke der vorzüglichsten Meister 
der Vorzeit werden für Provinzial-Gallerien noch seltner erreichbar sein; 
aber wenn man sich auch nur bemüht, gelungene Kopieen, vornehmlich 
aber die gediegensten Kupferstiche nach den Werken eines Leonardo, 
Raphael, Michelangelo u. s. w. zusammenzubringen, so wird man, bei pas- 
sender Aufstellung derselben, schon so einen Fond der edelsten Entwicke- 
lung der höheren Kräfte des Menschen vor sich sehen. Man lasse es sich 
sodann besonders angelegcn sein, Gypsabgüsse der vorzüglichsten Antiken, 
die eben durchaus vollkommene Nachbildungen der Originale und ver- 
hältnissmässig höchst wohlfeil sind, in entsprechenden Räumen aufzustel- 
len; denn in ihnen ja beruht, für den einigermaassen erweckten Sinn, eine 
höchst Vüllkomlllßllß Belehrung über das, was schön ist, der klarste und 
verständlichste Maassstab für das Urtheil. Man bestrebe sich, was von 
künstlerischen Erzeugnissen des heimischen Alterthums seine Bestimmung 
verloren hat, vielleicht unbeachtet und vergessen seinem Verderben ent- 
gegen geht, zu sammeln, wiederherzustellen und somit darzuthun, dass 
auch der heimische Boden (wie es ziemlich ohne Ausnahme der Fall ist), 
schon in früheren Zeiten eine eigenthümliche und nicht zu verachtende 
Kunstblüthe hervorgetrieben hat. Man suche in ein befrenndetes Verhält- 
niss zu den Vereinen für Vaterländische Geschichte, deren in allen Pro- 
vinzen Deutschlands bestehen, zu treten, und, wenn es irgend möglich ist, 
die Sammlungen der Alterthümer, welche diese Vereine angelegt haben, 
mit den Kunstsammlungen zu verbinden, damit solcher Gestalt gegenseitig 
Ergänzendes bei einander sei und eine gehörige Breite der Sammlung dem 
Beschauer Abwechselung und mannigfach verschiedenartiges Interesse ge- 
währe. Gewiss wird es unter solchen Umständen auch nicht fehlen, dass 
noch viel Wünsohenswerthes an den somit gewonnenen Stamm anschiesse; 
dass liberale Kunstsammler ihre Besitzthümer, oder einen Theil derselben 
lieber an öffentlichem Orte als in den eignen oft wenig passenden Wohn- 
zimmern aufgestellt sehen, wie solches z. B. in Prag durch die „Gesell- 
schaft patriotischer Kunstfreuude" bereits die glänzendsten Erfolge gezeigt 
hat; dass namentlich die Regierungen freundlich fördernd ins Mittel treten, 
und von dem Uebertluss der in den grösseren Residenzen aufgehäuften 
Kunstsehätze das Entbehrliche mittheilen, "Filial-Gallerieen" in den Pro- 
vinzen neben den "Central-Gallerieen" jener Residenzen errichten helfen, 
wie eine Einrichtung der Art z. B. im Königreich Baiern begonnen ist, 
wo Städte wie Augsburg und Nürnberg sich bereits schöner Kunstsamm- 
lungen neben den grossen Museen von München erfreuen, und wie Aehn- 
liches gegenwärtig auch in Preussen ins Werk gesetzt werden soll, Denkt 
man sich nun eine in solcher Weise gewonnene Sammlung zweckmässig 
nach den Fächern geordnet, durch einen Katalog erläutert, welcher das 
Fremdartige, Alterthümliche, einer vergangenen Geistegrichtung Angehö- 
rige, auch für den Nichtkenner fasslieh macht, die Sammlungen endlich 
in wohlgewählten Stunden (etwa den Mittagsstunden des Sonntags) für den 
Besuch des grösseren Publikums eröffnet, so wird man in der That hie- 
durch bereits einer nachhaltigen Einwirkung auf den Sinn und Geist des 
Volkes gewiss sein können. Nur beiläufig möge hier noch erinnert wer- 
den, wie mannigfache Hülfsmittel den höheren Bildungsanstalten zugleich 
in solchen Sammlungen erwachsen würden. 
Noch ist von verschiedenen Kunstvereinen ein besondrer Nebenzweck 
ihrer Wirksamkeit ausgesprochen worden, nemlich der, dass man im All- 

        

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