Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501903
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gßgenwärtigen 
Ueber die 
der Kunst zum 
Verhältnisse 
Loben. 
liebe im Volk noch ruannigfacher festerer Begründung, Nahrung und Aus- 
bildung bedarf (wie auf solche jedenfalls der tägliche Umgang mit Kunst- 
werken günstig einwirken muss), so ist es dankenswerth, wenn eine, je 
nach den vorhandenen Mitteln erworbene Anzahl solcher Werke, für deren 
höhere Gediegenheit eine Auswahl befähigter Männer bürgt, durch Bestim- 
mung des Looses in den Privatbesitz vertheilt wird. Ueberdies wird in 
den meisten Vereinen darauf Rücksicht genommen, dass Nachbildungen der 
vorzüglichsten unter den erworbenen Werken in Kupferstich oder Litho- 
graphie an sämmtliche Mitglieder ausgegeben werden, so dass niemand 
leer ausgeht, und Treftliches, Förderndes und Anregendes in möglichster 
Ausdehnung in das Leben eindringt. 
Hand in Hand jedoch mit diesen Bestrebungen entwickelte sich noch 
eine zweite Thätigkeit der Kunstvereine, welche ungleich grossartigere 
Erfolge gezeigt hat; dies ist die eben bereits besprochene Einrichtung 
der Kunst-Ausstellungen. Nur wenige Orte hatten bisher das Glück 
gehabt, die künstlerischen Resultate der Gegenwart in periodisch wieder- 
kehrenden Ausstellungen verfolgen zu können; nur wenigen auswärtigen 
Freunden der Kunst war es vergönnt gewesen, Theil an diesen festlichen 
Ereignissen zu nehmen. Bei weitem die grösste Masse des Volkes ahnte 
es nicht, welch ein neues kräftiges Leben im Bereiche der Kunst sich zu 
entwickeln begann, oder sie war einzig auf die ungenügenden, so oft trü- 
gerischen Berichte der Zeitungen angewiesen. Plötzlich, sowie Verein auf 
Verein sich bildete, wurden Ausstellungen auf Ausstellungen, auch für die 
Mittelpunkte der einzelnen Provinzen, auch für die kleineren Orte, einge- 
richtet und ihnen dieselbe Gunst gewährt, welche früher nur als ein Vor- 
recht der grössten Residenzen erschienen war. Was die einzelnen Vereine 
erworben hatten, sollte, vor der Austheilung in den Privatbesitz, erst noch 
dem gemeinsamen Genusse der Mitglieder, der öffentlichen Theilnahme 
des gesammten nächsten Bezirkes hingegeben werden; Künstler sandten 
ihre noch unverkauften Werke zur Erweiterung dieser Ausstellungen ein, 
indem in diesen ein günstiger Markt eröffnet schien; Besitzer von Gemäl- 
den,  Privatpersonen sowohl, wie andre verschwisterte Vereine,  lies- 
sen es nicht an der liberalsten Theilnahme fehlen, indem sie die Schätze 
neuerer Kunst, mit deren Besitz sie durch das Glück begünstigt waren, 
gern auch dem Genusse entfernterer Kreise mittheilten. Dieser letzte 
Punkt ist es vornehmlich, welcher die höchste Anerkennung verdient; 
denn gerade den Mittheilungen solcher Art verdanken die einzelnen Ver- 
eine einen grossen Theil ihrer überraschenden Ausbreitung. Freilich hat 
es auch nicht an Bedenklichkeiten gegen diese Versendungen der Kunst- 
werke gefehlt; man bringt die Gefahren in Anschlag, denen sie dabei 
leichter ausgesetzt sind, als wenn sie an fester Stelle ruhig aufbewahrt 
werden. Doch wird, zugegeben, dass auch wirklich einmal, den ange- 
wandten Vorsichtsmaassregeln zum Trotz, ein Kunstwerk nicht nur be- 
schädigt werden, sondern gänzlich zu Grunde gehen könne, der Künstler 
und Kunstfreund in jener eröffneten grossartigeren und allgemeineren 
Wirksamkeit mehr als den Ersatz für den möglichen Verlust des Einzelnen 
finden dürfen. Dass geringere Missstände, wie etwa die Möglichkeit einer 
Beschädigung der Gemälde-Rahmen u. dergL, gegen jene allgemeinen Erfolge 
gar nicht in Betracht kommen dürfen, scheint genügend zu Tage zu liegen. 
So haben denn auch überhaupt diese Bedenklichkeiten nur geringen An- 
klang gefunden. Schon ist die grösste Anzahl der deutschen Kunstvcreine
        

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