Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501889
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die gegenwärtigen 
Ueber 
Verhältnisse 
Kunst 
der 
Leben. 
zum 
wird in der allgemeinen Spannung weniger empfunden, auch Zieht Sich 
über alle Werke das gemeinsame Band, dass sie eben den Geist der neu- 
sten Kunst aussprechen, und diese Zusammenstellung kommt wenigstens 
dem Begehren nach Vergleichung des Einzelnen unter einander fördersam 
entgegen und dient zur anmuthigsteu Zerstreuung. 
Aber eben in dieser Spannung, dieser Zerstreuung, welche in den Be- 
suchern der Ausstellungen erweckt wird, liegt es, dass die Einwirkungen 
derselben wiederum nur vorübergehend sein können; die Kunst fordert 
doch eine tiefere Sammlung des Gemüthes, eine ruhigere Stimmung, zumeist 
auch eine längere Gewöhnung von Seiten des Beschauers, wenn ihre Werke 
einen bleibenden Eindruck, einen höheren Einfluss auf das Leben ausüben 
sollen. Somit können die Ausstellungen immer nicht als das endliche 
Ziel, als der Zweck der künstlerischen "Phätigkeit, als die letzte und wür- 
digste Stellung derselben zum Leben betrachtet werden. Gleichwohl be- 
hält jenes aufheiternde und erfrischende Element, welches in ihnen liegt, 
immerhin seinen hohen Werth, und es ist desshalb nur zu wünschen, dass 
sie in ähnlicher Weise, soweit die Kunst bei der Hervorbringung beweg- 
licher Werke verweilt, auch in der Zukunft fortgesetzt werden mögen. 
Nur dürfte dem Interesse, welches sie darbieten, vielleicht ein noch schär- 
ferer, noch mehr bestimmender, ein die Erwartung und die Erinnerung 
noch länger fesselnder Punkt zu wünschen Seirl- Die Illllßisßhßll Spiele, 
welche zur Verherrlichung der hohen Feste Griechenlands aufgeführt wur- 
den  vielleicht die einzige Erscheinung in der Geschichte, mit welcher 
unsre Kunstausstellungen auf gewisse Weise zu vergleichen sind  dürf- 
ten hier das Beispiel darbieten. Nicht darin, dass sie vorzugsweise zur 
Verherrlichung heiliger Stätten dienten,  dies liegt dem modernen Leben, 
für den Augenblick wenigstens, zu fern; wohl aber darin, dass sie Wett- 
kämpfe waren, in denen der Sieger von dem Beifall der gesammten Nation 
begrüsst ward, sein Name mit den höchsten Ehren genannt ward und an 
seinen Ruhm den seiner Vaterstadt zu knüpfen vermochte. Eine solche 
Preisertheilung würde das gesammte Interesse für d.ie Ausstellungen, so- 
wohl von Seiten der Künstler, wie von Seiten des Volkes, noch in ungleich 
grösserem Maasse erhöhen und die Ausstellungen würden dadurch an 
Feierlichkeit gewinnen, was wiederum nur von wohlthuendem Eindruck 
auf die gesammte Richtung des künstlerischen Sinnes sein dürfte. Finden 
im einzelnen Falle bereits Prcisertheilungen bei Gelegenheit der Ausstel- 
lungen Statt, so entbehren sie nicht bloss der Oelifentlichkeit, sondern ihr 
Zweck ist wesentlich, den verdientesten Künstler mit Geld zu unterstützen, 
 ein Umstand, der, wie lobenswürdig er auch an sich sein mag, doch 
einer ganz andern Ansicht der Sache angehört. Eben dies ist der Fall 
bei jenen Concurrenzen, in denen Gegenstand, Maass der Darstellungen 
u. dgl. vorgeschrieben sind, und namentlich bei den Concurrenzen, welche 
zur Belohnung der vorzüglichsten akademischen Schüler angeordnet werden. 
Jener Preis, um den es sich hier handelt, müsste im Gegentheil durchaus 
von baarer Unterstützung absehen, vielmehr nur als eine persönliche Aus- 
zeichnung und Würdigung betrachtet werden. Auch hier haben die Grie- 
chen das edelste Beispiel gegeben, indem bei ihnen der Preis nur in einem 
schönen Geräthe von werthlosem Stoff, aber höchst werthvoll durch die 
innere Bedeutung, bestand.  Doch mag dieser Wunsch des Verfassers 
immerhin als ein schöner Traum angesehen werden; in seiner Erfüllung
        

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