Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501869
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Uebär 
die gegenwärtigen 
Verhältnisse 
Leben. 
zum 
Kunst 
der 
ganzen Sammlung würde übrigens mit solchen gesonderten Räumen sehr 
wohl zu vereinigen sein, und jene mehr untergeordneten Werke würden 
immer trefflich zum Uebergange von dem einen zum andern dienen kön- 
nen. Und sollte etwa von diesen durch eine solche Einrichtung die Auf- 
merksamkeit der Laien mehr abgelenkt werden ,  nun, so möchte ein 
solcher Verlust immer zu verschmerzen sein, wenn das wirklich Bedeu- 
tende eine um so bedeutendere Wirkung ausübt. Uebrigens findet eine 
solche Einrichtung bereits in der Antikensammlung des vatikanischen 
Museums zu Rom Statt, wo der Laokoon, der Apollo, der Antinous in 
gesonderten Gemächer-n, unter treftlicher Beleuchtung aufgestellt sind und 
wo der Besehauer ganz im Stande ist, sich der hohen Einwirkung dieser 
Meisterwerke, ohne dass seine Blicke durch zerstreuende Umgebungen 
abgelenkt würden, zu überlassen. Und ich gestehe es sehr gern ein, dass 
mir an jenen stillen Stätten erst die Schönheit dieser Statuen in einer 
Weise aufgegangen ist, wie ich sie, so oft ich auch die Gypsabgüsse der- 
selben in unsren Sammlungen betrachtet hatte, kaum zu ahnen vermögend war. 
Doch haben die öffentlichen Sammlungen dieser Art, sofern in ihnen 
wesentlich das historische Princip vorwiegt, nur einen entfernteren Bezug 
zu den Kunstverhältnissen der Gegenwart. (Ueber einige nähere Bezüge 
derselben werden unten noch einige Worte folgen.) Ungleich wichtiger 
sind jene improvisirten Sammlungen, welche sich periodisch wiederholen 
und das, was die jüngste Gegenwart geschaffen hat oder soviel davon we- 
nigstens zusammengetragen wird, auf einige Zeit in sich vereinigen: die 
öffentlichen K unst-Ausstellunge n. Die Existenz dieser Ausstellungen 
ist charakteristisch für die Gestaltung der Kunst unsrer Zeit. Ihre Ein- 
richtung gehört zwar bereits einer früheren Epoche an, oder vielmehr liegt 
es in der Natur der Sache, dass zu allen Zeiten Werke der Kunst gele- 
gentlich wohl einmal zu keinem anderen Zwecke als dem der Kunstschau 
werden ausgestellt worden sein. Auch hat namentlich das achtzehnte 
Jahrhundert eine regelmässige Einrichtung der Ausstellungen herbeige- 
führt (wenn schon in Deutschland nur die spätere Zeit desselben); aber 
erst das letzte Jahrzehnt zeigt dieselben in einer Bedeutsamkeit, welche 
in ihnen ein besonderes Kennzeichen für die Richtung der neueren Kunst 
erkennen lässt. 
Als Beispiel dieses Verhältnisses möge hier eine Uebersicht der Aus- 
stellungen, welche in Berlin Statt gefunden haben, mit der Anzahl der 
in den Katalogen derselben verzeichneten Gegenstände mitgetheilt werden; 
was sich hieraus ergiebt, dürfte ebenso auch für andre Sitze der neueren 
Kunst, falls bei ihnen nicht etwa andre Umstände eine abweichende Rich- 
tung verursacht haben, gültig sein. 
Die Ausstellung vom J. 1786 zählte 335 Nummern, 
   1787  396  
   1788  396  
   1789  267  
   1791  148  
   1793  348  
   1794  356  
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