Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501841
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Verhältnisse 
die. gegenwärtigen 
Ueber 
der 
Kunst 
zum Leben. 
auf die handwerkliche Seite der Kunst hinzuwirken, kunstgebildete Hand- 
werker und handwerklich tüchtige Künstler zu erziehen. die Kunst in ihrer 
unmittelbaren Richtung auf das praktische Leben, in ihrer Bedeutsamkeit 
für die Veredlung der Lebensbedürfnisse zu betrachten, so würde gerade 
in ihnen der sicherste Grund, das kräftigste Mittel für eine allgemeine 
Verbreitung des künstlerischen Sinnes im Volke gewonnen sein. Der 
höhere Künstler aber, dem es um freie, selbständige Behandlung der Kunst 
zu thun ist, würde auch dann in ihnen immer die beste Schule vorfinden 
und nach deren Beendigung, wenn er sich seiner höheren Genialität be- 
wusst zu sein glaubt, unter einem anerkannten Meister, häufig aber auch 
ebenso gut aus eignen Mitteln, die letzte Ausbildung empfangen können. 
Nach diesen Betrachtungen, welche vornehmlich die Richtung der 
Kunst auf das niedere Bedürfniss des Lebens zum Gegenstande hatten, 
wenden wir uns noch einmal zu jenem zweiten Verhältniss zurück, in 
welchem es sich um den freieren Schmuck unsrer täglichen Umgebungen 
durch Werke der Kunst handelt. Hierüber ist, im Allgemeinen, wenig 
anzumerken. Schon oben ist es ausgesprochen, dass gerade in diesen 
Beziehungen sich gegenwärtig eine grosse Thätigkeit entwickelt hat, dass 
aber auf d_ie Werke dieser Art, sofern sie eines 'l'heils lediglich aus der 
Individualität der schaffenden Künstler hervorgehen, andern Theils durch 
eine blosse Liebhaberei von Seiten des Publikums getragen werden, an 
und für sich noch nicht die Hoffnung auf eine durchgreifende, dauerhafte 
und grossartige Kunstblüthe gegründet werden darf. Doch sind hier einige 
Erscheinungen näher ins Auge zu fassen, in welchen das Interesse des 
Publikums für Werke dieser Art eine besondre, mehr bedeutungsvolle 
Gestalt angenommen hat. 
Zunächst mag hier ein Gegenstand berührt werden, der zwar nur 
theilweise hieher gehört, der jedoch eben an dieser Stelle bereits einen 
geeigneten Ort zur Besprechung findet; die Kunstsammlungen. Im 
Sammeln von Kunstgegenständen zeigt sich, vorausgesetzt, dass es nicht 
eine Sache der Eitelkeit sei, bereits ein höheres Interesse für die Kunst; 
es spricht sich darin ein reger-es Bedürfniss aus, sich mehrfach mit den 
Werken der Kunst zu beschäftigen, in den zerstreuten Erscheinungen den 
tieferen gemeinsamen Zusammenhang aufzusuchen und auf solche Weise 
zu einem näheren Verständniss über das Wesen der Kunst selbst geleitet 
zu werden. Es ist erfreulich, zu sehen, dass auch heutiges Tages eifrige 
Sammler auftreten und namentlich, im einzelnen Falle sogar aussehliess- 
lieh, Werke der gegenwärtigen Kunst zu einer grösseren Uebersicht zu 
vereinen bemüht sind. Mannigfach treten ihnen öffentliche Sammlungen 
zur Seite und besonders hat man sich von Seiten der Kunstvereine für 
deren Gründung interessirt.  Bei Sammlungen jedoch, die einen grossen 
Reichthum von Kunstwerken in sich vereinen, tritt insgemein ein unange- 
nehmer Missstand dem Beschauer entgegen, der nemlich, dass jedes ein- 
zelne Kunstwerk, wie es auf selbständige Gültigkeit, insgemein auf 
selbständige Ausfüllung einer besonderen Räumlichkeit, Anspruch macht, 
hier fast überall durch das ebenso berechtigte Benachbarte beeinträchtigt 
wird,  und dies um so mehr, wenn eine Sammlung verschiedene Perioden
        

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