Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499865
Kritiken, 
Berichte, 
Erörterungen 
angemessen sein dürfte. Der Jüngling zur Linken faltet ruhiger die Hände. 
Ueber ihm ist die schon bei den Zeichnungen zum Gebet des Herrn er- 
wähnte Tafel angebracht, auf welcher die Anfangsbuchstaben von Joseph 
Führich's Wahlspruch zu lesen sind: O. A. M. D. G. 
Randzeichnungen zu den Dichtungen der deutschen Classiker 
von Engen Neureuther. 1832, 1_Thei1,  3. Heft; 2. 'I'heil, 4. Heft 
(das Heft aus 8 Blättern bestehend). 
(Museum 
1833, 
Es ist ein eigen Ding mit dem Lesen von Gedichten. Ich will nicht 
von der Unmöglichkeit reden, eine Sammlung Gedichte quer durchzulesen 
wie etwa einen Roman; auch das Einzelne, wenn es die beabsichtigte Wir- 
kung erreichen soll, macht seine besondern Ansprüche: Vieles ist besser 
zu hören als zu lesen, Vieles besser zu singen. Romanze und Lied wollen 
beide in der Regel mehr sagen, als in den wenigen Worten selbst steht; 
sie sind Skizzen, zu denen der Beschauer ein gut Theil eigner Phantasie 
mitbringen muss; sie sind wie musikalische Instrumente, deren Resonanz- 
bodeu lange nachklingt. 
Es will sich daher wohl schicken und ist eigentlich ein Bedürfniss des 
Gedichtes, wenn es nicht im dürftigen Gewande seiner nüchternen Buch- 
staben (deren Form im letzten Jahrhundert bei uns leider gar so nüchtern 
geworden ist) vor unsre Augen tritt, sondern wenn um dasselbe sich man- 
nigfache Bilder umherschlingen, Figuren und Schnörkel, Blumen und Thiere, 
Ranken und Früchte und dergL, die entweder mehr den Inhalt verbildlichen 
oder mehr ihn träumerisch für das nachsinnende Gemüth hinausspinnen 
oder aber, was auch nicht eben zu verachten ist, nur als ein würdiger 
Rahmen schöner Gefühle oder Gedanken zu betrachten sein sollen. 
Das fühlte man vor Zeiten gar wohl. Wie wunderlieblich nehmen 
sich in den alten pergamentenen Gebetbüchern jene bunten Einfassungen 
aus, welche neben den ernsthaftesten, oft klagereichsten Gebeten des sün- 
digen Geschlechtes mit ihren Blümchen, Vögelchen, Schmetterlingen und 
Würmchen die helle, fröhliche Kinder-Unschuld der Frühlings-Natur hin- 
zustellen scheinen! Wie sinnreich sind jene weissen Sprüche des arabischen 
Korans über einen reichen, blumig verschlungenen Grund hingezogen, dar- 
aus sie selbst fast nur wie dunkler gefärbte, bedeutungsvollere Blumen 
hervortauchen!  Das fühlt auch der Dichter noch heute, wenn er, was 
lebendig in ihm ist, genügend zur Gestalt zu bringen wünscht. 
Gar grossen Dank sind wir den Bestrebungen Neureuthefs schuldig, 
der es unternommen, die Lieder unsrer Dichter in anmuthigerem Aeusseren, 
jegliches von eigenthümlichen Bildern und Träumen umgeben, uns vor die 
Augen zu führen, und dem es weder an einer mährchenkundigen, reichen 
und beweglichen Phantasie. noch an einer fügsamen Hand zu diesem 
Unternehmen mangelt. Mehrfach sind bereits seine Randzeichnungen 
zu Göthdschen Gedichten und zu bayerischen Volksliedern besprochen
        

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