Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501596
über 
Fragmentarisches 
Berlil 
Kur 
nstausstellurxg 
1836. 
191 
beide Gestalten stehen in keiner inneren Beziehung zu einander, und wir 
selten in dem Bilde nur einen mehr gleichgültigen Vorgang, der uns ninht 
ein näheres Interesse eintlösst.  „Die betcude Waise am Grabs ihm,- 
Eltern" von H. L. Seefisch (908) ist ein Gemälde, das wir mit gi-nssnr 
Freude willkommen heissen. Gerade hier lag die Klippe der modernen, 
verhimmelnden Sentimentalität, an der, wie wir gesehen haben, so viele 
junge Künstler Schiffbruch gelitten haben, nahe; gleichwohl sehen wir in _ 
dem Schmerz dieses jungen Mädchens ein reines gesundes Gefühl hervor- 
brechen, es ist die Aeusserung einer edlen unverdorbencn Natur, die uns, 
wenn der Künstler auf der eingeschlagenen Bahn fortsehreitet, die glück- 
lichsten Erfolge für die Zukunft verheisst. Nicht in gleich erfreulicher 
Weise hat A- W- Espßrstedt in seiner "Beichte" (193) diese Klippe 
umschitft. Die junge Dame, Welche hier im Beichtstuhl kniet, ist in der 
That zu süss und zu wenig von der Bedeutung des heiligen Momentes er- 
füllt; in dem greisen Antlitz des ornirten Geistlichen erkennt man jedoch 
eine schöne Würde und eine sorglieh individualisirende Ausführung.  
C. Schorn zeichnet sich unter den Wach'schen Schülern durch ein sehr 
eigenthümliches Talent aus. Seine entschiedene Anlage zu eharaktervoller 
Auffassung findet in einem kleinen Bilde der diesjährigen Ausstellung wie- 
derum eine anziehende Bestätigung. Es ist „Maria Stuart und Rizzio" (1580), 
die Darstellung des gefährlichen Liebesverhältnisses zwischen beiden, und 
im Hintergründe der Gemahl, welcher verderbensprühenden Blickes den 
Vorhang der Thür emporhebt. Wenn zu dem Elemente gcistreicher An- 
deutung sich noch ein lebenvolles, venezianisches Colorit gesellte, so 
würde Schorn in Darstellungen dieser Art, in denen er sich mit beson- 
derem Glücke bewegt, das Treftlichste zu leisten im Stande sein. Sein 
"Arien" (1437) und "Pygmalion" (1579) sind weniger bedeutend und ge- 
hören einer, seiner Eigenthümlichkeit fremden Sphäre an.  Die Bilder 
von C. Cretius: „Auswandernde Griechen" (135) und "der Wettkampf mit 
der Syrinx" (136, Concurrenzbild) haben als Studienbilder ihren Werth; 
auf dem ersteren finden sich einige ansprechende Stellungen, besonders in 
dem Mann, welcher die Mitte der Gruppe bildet und in dem zur Seite 
ruhenden Knaben, doch ist das Ganze noch ohne tiefere Durchdringung.  
„Die wahrsagendc Meernixe" von H. Th. Schultz (898) ist ein Bild, wel- 
ches mannigfach Verdienstliches in der technischen Behandlung zeigt, wenn 
auch die innerliche Poesie des Gegenstandes noch nicht zum Ausdrucke 
gekommen ist. 
Wir reihen hier die Arbeiten einiger Künstler an, welche, in der 
Wach'schen Schule gebildet, gegenwärtig in selbständiger Thätigkeit da- 
stehen. Zu diesen gehört zunächst ein sehr treffliches kleineres Bild von 
Daege. Es ist eine Frau und ein Knabe, die ermattet von tagelanger 
Wanderung am Fnsse eines Heiligenhäuschens niedergesunken sind; ein 
Pllgernder Möuch, der des Weges gezogen kam, reicht ihnen Hülfe und 
Erqlllßkllng- Das Bild athrnet ein edles und gemässigtes Gefühl, die Ge- 
Stellen Sind klar und anschaulich durchgebildet, der greise Mönch steht in 
freundlicher Würde vor den Verlassenen, und der klare Abendhimmel, 
der das Genie llmfängt, die stille, verdunkelnde Ferne, erwecken in dem 
Beschauer eine ernste ruhige Stimmung.  Von A. Hopfgarten sind zwei 
Bilder grösserer Dimension vorhanden. Das eine (369) stellt "Ptaphael, das 
Motiv zur Madonna della Sedia findend" dar, nach der bekannten Legende, 
derzufolge das genannte Raphaelisehe Rundbild von ihm auf dem Boden
        

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