Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499830
Bilder zu 
Tiaclds 
Genovefa. 
15 
Die Wüstenei, anstatt ihr schönes Haus, 
Statt ihres Prunkgemachs die iinsire Kluft; 
Statt Diener gingen Thiere ein und aus; 
Statt schöner Speisen Kräuter in der Gruft; 
Statt reicher Betten Aengstigen und Graus 
Auf dürren Reisern in der kalten Luft; 
Der edlen Perlen musste sie entbehren, 
Statt deren dienten ihre heissen Zähren. 
Fuhr-ich aber hat uns im Gegensatz dieser Worte  es ist gerade 
einer von den „schönen Sommertagen"  einen gar anmuthigen Waldes- 
Haushalt dargestellt. Neben dem Eingang zur Höhle entspringt unter den 
Wurzeln eines alten Eichbaumes eine Quelle, welche sich vorn, am Rande 
des Bildes, hinzieht und den Eingang fast wie eine Insel umschliesst; 
Brombeer-Genist und Kräuter stehen am Ursprung der Quelle. Die Hirsch- 
kuh, deren Milch im Anfang das Leben des kleinen Schmerzenreich er- 
halten hat, säuft aus dem Wasser. Schmerzenreich, in einem Kleid von 
Fellen. spielt mit zwei Kaninchen und faltet dem einen die Pfötchen, wie 
es ihn die Mutter zum Gebet des Vaterunser gelehrt hat; eine überaus 
anmuthige kleine Gruppe. Eine Bachstelze sitzt an der Quelle; weiterhin 
stehen ein Paar gravitätische Kraniche, deren einer sich so eben mit höchst- 
eigenem Schnabel ein Fischlein fangt; aus dem hohlen Eichbaum schaut 
ein kluges Käuzlein heraus; auf einem Ast der Eiche sitzt ein Eichkätz- 
chen und nagt an einer Nuss; daneben, an einer Tanne, klopft eifrig ein 
Specht. Auf der andern Seite, im Hintergrund, schaut ein junger Zwölf-Ender 
zwischen den Tannenbäumen hervor. Alles haust in tiefem Frieden neben- 
einander, Eins um das Andre unbekümmert; man wird fast versucht, Genovefa 
um ihr stilles Waldleben zu beneiden. Sie selbst kniet mitten im Bilde vor 
der Erscheinung des Engels, der, von seinen langen Flügeln getragen, zu 
ihr nieder geschwebt ist und ihr das elfenbeinerne Crucifix entgegenreicht. 
Sie hat ein weites Gewand um den Leib geschlagen, Arme und Brust sind 
nackt, das Haar hängt glatt über Rücken und Seiten herab. Ihr mildes, 
frommes Antlitz ist zu dem Engel empor gerichtet, sie will so eben das 
Crucifix in Empfang nehmen. "Keinem Beschauer wird es entgehen, dass 
der geistige Verkehr zwischen Genovefa und dem Engel keinen aufmerk- 
samen lebendigen Zuhörer hat, als den, welcher den Boten des Trostes 
gesandt hat." 
11. Golo stürzt seinen Helfershelfer Benno vom Felsen. „S0 kommer- 
voll und einsam sich auch das Leben Genovefeis hinschleppt: so sind ihre 
Thränen doch nichts gegen die Höllenpein Golds, den die Schmerzen un- 
befriedigter Leidenschaft und der Vorwurf einer blutigen That von Sieg- 
fried's Schlosse in die Wildniss trieben. Er will sein Gewissen übertäu- 
ben durch die Freuden der Jagd. Sein Helfershelfer Benno begleitet ihn. 
Aber auch die Mühen des Tages lassen ihn nicht ruhen. Wir sehen ihn 
in diesem Blatt auf dem Gipfel eines Berges, den er halb wahnsinnig im 
Mondschein mit Benno erklommen hat. Nachdem Golo gefragt: wie Geno- 
vefa ausgesehen, als sie zum Tode ging, und wie sie Benno ermorden 
konnte? wird ihr Zwiegespräch heftig und thätlieh."  "Auf mich willst 
Du die Schuld nun wälzen, Schurke?" ruft Golo, fasst den Benno mit 
Riesengewalt, um ihn hinab zu schleudern in den Abgrund, drin ein Fluss 
vorüberstrudelt. Vortreillich ist die Zeichnung beider Figuren. Golo, den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.