Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1501488
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Kritiken 
Berichte, 
Erörterungen. 
Willen des Menschen zu fröhnen gezwungen ist. Ein Mann in braunem 
Mantel, den Hut ins Gesicht gedrückt, sitzt auf dem einen Büffel, in einer 
Hand den Stab mit dem Stachel, dem Instrument, welchem allein diese 
Bestien gehorsamen. Eine der schönsten Gestalten ist der junge Knecht, 
welcher vorn zwischen den Büffeln lehnt; dunkelglühenden Blickes schaut 
er träumerisch vor sich hin; er gemahnt an jene Geschichten des alten 
'l'estamentes, wo die Jünglinge durch jahrelange Dienste in Haus und Feld 
um die Töchter des Herrn werben mussten. S0 bildet sich durch den 
Wagen und die ihm zugehörigen Leute ungezwungen und ungesucht, ein 
bedeutender Mittelpunkt des Ganzen. Die Tänzer, welche sich ihm auf 
der einen Seite anschliessen, und in behender Vergnüglichkeit für das 
Vergnügen der Herrschaft sorgen, geben Anlass, dass der Wagen in seinem 
Gange anhält, und dass ebenso auf der andern Seite die zur Familie ge- 
hörige Dienerschaft, Mädchen und Jünglinge, herbeigeeilt sind, das Schau- 
spiel des Tanzes mitzugeniessen. In grosser, gesetzmässiger Gruppirung, 
verständlich für Sinn und Auge des Beschauers, ordnet sich das Gemälde, 
und wie in der Führung der Linien, im Ganzen und im Einzelnen, überall 
das lauterste Ebenmaass herrscht, so steht auch die Farbe durchweg in 
schönster Harmonie, und das rosige Licht des leise aufdämmernden Abends, 
in welches die Gestalten emportauchen, scheint sie auf eine wunderbare 
Weise zu verklären.  
Aurel Robert, Leopold's jüngerer Bruder und Schüler, ist uns eben- 
falls schon seit mehreren Ausstellungen vortheilhaft bekannt; wir sahen 
von ihm besonders venezianische Architekturen mit Gruppen des dortigen 
Volkes. Solcher Art ist auch sein diesmaliges Gemälde, das bedeutendste 
der Art, welches er bisher geliefert: die Taufkapelle der St. Mar- 
kuskirche in Venedig, N0. 1433. Was zunächst den architektonischen 
Theil des Bildes betrifft, so war derselbe in seiner bunten Mannigfaltigkeit 
schwer zu fassen; doch ist die Aufgabe mit grossem Glück gelöst. Wir 
sehen die ganze Eigenthümlichkeit jener Kapelle vor uns, die seltsamen 
Säulen, die byzantinischen Mosaiken auf glänzendem goldnem Grunde, die 
alten Reliefs über dem Altar, zur Rechten das Grabmal des Dogen Andrea 
Dandolo und den uralten, aus Alexandria herstammenden Bischofstuhl, in 
der Mitte das grosse Taufbecken mit den Bronzen aus Sansovinos Schule 
und mit der Johannis-Statue von Francesco Segalla,  und doch steht 
Alles, durch wohlberechnete Wirkung in Licht und Luft, in trefflichster 
Harmonie. Zugleich wird der Reiz des Gemäldes durch die reiche Staf- 
fage, welche die feierliche Handlung einer Taufe und zuschauendes Volk 
darstellt, wesentlich gehoben. Hier ist nicht blos der äussere Zuschnitt 
und das Arrangement des venezianischen Kostüms mit Treue und Sorglich- 
keit wiedergegeben; diese Leute sind_in voller Existenz und Eigenthüm- 
lichkeit gegenwärtig und ordnen sich, der Lokalität gemäss, in schönen, 
wohlverstandenen Gruppen. Aurel Robert hat in seinen Gestalten nicht 
die Hoheit und die Idealität seines Bruders; aber er zeichnet sich durch 
energische Darstellung und kräftige charaktervolle Auffassung jedenfalls 
auf das Vortheilhafteste unter den Malern, welche italienische Volkscenen 
vorführen, aus. 
Es ist ein übles Ding, über eine Kimm-Ausstellung zu referiren, 
fortwährend im Werden begriffen ist. Man möchte die Betrachtung 
die 
des
        

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